Asteroidenumlenkung
Die gezielte Veränderung der Flugbahn eines Asteroiden, um einen Einschlag auf der Erde zu verhindern: Seit der DART-Mission 2022 keine reine Theorie mehr.
Am 26. September 2022 schlug die DART-Sonde (Double Asteroid Redirection Test) der NASA mit einer Geschwindigkeit von 6,6 Kilometern pro Sekunde in den Asteroiden Dimorphos ein, einen 160 Meter großen Mond des Asteroiden Didymos. Der Aufprall veränderte die Umlaufzeit von Dimorphos um 32 Minuten, von 11 Stunden 55 Minuten auf 11 Stunden 23 Minuten. Es war das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass die Bahn eines Himmelskörpers absichtlich verändert wurde.
Die Mission bestätigte das Prinzip des kinetischen Impaktors: Ein schweres Objekt prallt mit hoher Geschwindigkeit auf den Asteroiden und überträgt dabei seinen Impuls. Der Effekt wurde durch ausgeworfenes Material (Ejecta) verstärkt, das wie ein Raketentriebwerk in die Gegenrichtung wirkte. Die Bahnänderung war deutlich größer als die Modelle vorhergesagt hatten, was darauf hindeutet, dass Dimorphos ein lockeres Trümmerfeld ist und nicht ein solider Felsbrocken.
Die Planetenverteidigung der NASA koordiniert die Suche nach potenziell gefährlichen Asteroiden. Aktuell sind über 2.400 Objekte mit einem Durchmesser von mehr als 140 Metern katalogisiert, deren Bahnen sich mit der Erdbahn kreuzen könnten. Der Großteil davon ist harmlos, aber die Statistik ist unbarmherzig: Irgendwann wird ein ausreichend großer Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde gehen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Neben dem kinetischen Impaktor gibt es weitere theoretische Methoden. Ein Gravitationstraktor wäre ein Raumschiff, das neben dem Asteroiden fliegt und ihn durch seine eigene Schwerkraft langsam ablenkt. Das funktioniert nur bei sehr langer Vorwarnzeit (Jahrzehnte). Nukleare Detonation, entweder als Oberflächenexplosion oder als Standoff-Explosion in der Nähe des Asteroiden, ist die Methode für den Notfall: Sie liefert die meiste Energie in der kürzesten Zeit, birgt aber das Risiko, den Asteroiden in Fragmente zu zerbrechen, die möglicherweise immer noch einschlagen.
Die Science Fiction hat Asteroideneinschläge und ihre Abwehr ausgiebig behandelt. Larry Nivens und Jerry Pournelles Lucifer's Hammer (1977) beschreibt den Einschlag eines Kometen und die Folgen für die Zivilisation. Der Film Armageddon (1998) ließ Bruce Willis eine Atombombe auf einem Asteroiden platzieren, was Physiker als amüsant, aber wissenschaftlich absurd bewerteten. Deep Impact (1998), der realistischere Gegenpart, zeigte eine Welt, die sich organisiert auf den Einschlag vorbereitet.
Greg Bears The Forge of God (1987) geht noch weiter: Außerirdische nutzen Asteroiden als Waffen und schießen sie gezielt auf die Erde. In Liu Cixins Die drei Sonnen droht eine außerirdische Zivilisation, die Erde mit einem Dimensionsangriff zu vernichten, aber die konzeptionelle Verwandtschaft zum Asteroideneinschlag-Szenario ist offensichtlich: Eine kosmische Bedrohung, gegen die technologische Abwehr möglich, aber unsicher ist.
Die ESA plant mit der Hera-Mission (Start 2024, Ankunft bei Dimorphos 2026) eine Nachfolgemission, die den Einschlagskrater von DART detailliert untersuchen soll.
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