Kolonisierung

Asteroidenkolonie

Dauerhafte menschliche Siedlungen auf oder in Asteroiden: Rohstoffquelle, Sprungbrett ins äußere Sonnensystem und Versicherung gegen planetare Katastrophen.

Die Idee, Asteroiden zu besiedeln, geht auf Konstantin Ziolkowski zurück, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts vorschlug, Himmelskörper als Siedlungsraum zu nutzen. Asteroiden bieten gegenüber Planeten einen entscheidenden Vorteil: geringe Schwerkraft, die den Transport von Materialien ins All drastisch verbilligt, kombiniert mit enormen Rohstoffvorkommen. Ein einzelner metallreicher Asteroid wie 16 Psyche enthält nach Schätzungen mehr Nickel und Eisen als die gesamte irdische Industrie in Millionen Jahren verbrauchen könnte.

Gerard K. O'Neill schlug in den 1970er Jahren vor, Asteroiden nicht auf ihrer Oberfläche zu besiedeln, sondern auszuhöhlen und im Inneren rotierende Habitate zu errichten. Die Rotation erzeugt künstliche Schwerkraft an der Innenwand, während das Gesteinsmaterial als Strahlenschutz dient. Dieses Konzept wurde in der Science-Fiction vielfach aufgegriffen. In Kim Stanley Robinsons 2312 (2012) leben Millionen Menschen in ausgehöhlten Asteroiden, die als mobile Städte durch das Sonnensystem wandern. Jeder Asteroid hat ein eigenes Ökosystem, eigene Kultur und eigene politische Struktur.

James S.A. Coreys Expanse-Reihe schildert den Asteroidengürtel als Heimat der Belter, einer eigenständigen Kultur, die sich physiologisch und kulturell von Erd- und Marsbewohnern unterscheidet. Die Belter sprechen einen eigenen Kreol-Dialekt, haben durch die geringe Schwerkraft schlanke, langgestreckte Körper und werden von den inneren Planeten als Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt. Ceres, der größte Asteroid im Gürtel, dient als Hauptstadt und Handelsknoten.

Die technischen Herausforderungen einer Asteroidenkolonie sind erheblich, aber grundsätzlich lösbar. Die Wasserversorgung lässt sich durch Abbau von Eis-Asteroiden (C-Typ-Asteroiden enthalten bis zu 20 Prozent Wasser) sicherstellen. Energieversorgung über Solarpanele funktioniert im inneren Sonnensystem, im äußeren Asteroidengürtel werden Kernreaktoren nötig. Die medizinischen Langzeitfolgen niedriger Schwerkraft (Knochenschwund, Muskelverlust, kardiovaskuläre Probleme) bleiben das größte ungelöste Problem, sofern das Habitat nicht rotiert.

Strategisch gilt die Asteroidenkolonie als Sprungbrett: Wer den Asteroidengürtel kontrolliert, hat Zugang zu den Rohstoffen und der Infrastruktur, um das äußere Sonnensystem zu erschließen. Daniel Suarez beschreibt in Delta-v (2019) die erste kommerzielle Asteroiden-Mining-Mission als Startschuss für eine neue Ära der Raumfahrt.