Auslöschungsrisiko
Existenzielles Risiko, das die gesamte Menschheit oder alle bewussten Lebewesen auslöschen könnte: von Asteroideneinschlägen über superintelligente KI bis zu selbstverschuldeten Katastrophen.
Existenzielle Risiken (X-Risks) unterscheiden sich von normalen Katastrophen durch ihre Endgültigkeit: Ein Asteroideneinschlag kann Millionen töten, aber die Menschheit erholt sich. Ein Auslöschungsereignis lässt niemanden übrig, der sich erholen könnte. Der Philosoph Nick Bostrom definierte existenzielle Risiken 2002 als Ereignisse, die die Menschheit vernichten oder ihr Potenzial dauerhaft und drastisch beschneiden.
Die Risikoliste umfasst natürliche und menschengemachte Bedrohungen. Auf der natürlichen Seite: Asteroideneinschläge (der Chicxulub-Impakt vor 66 Millionen Jahren löschte die Dinosaurier aus), Gammastrahlenausbrüche (ein naher GRB könnte die Ozonschicht zerstören) und Supervulkane (der Ausbruch des Toba vor 74.000 Jahren reduzierte die menschliche Population möglicherweise auf wenige Tausend). Auf der menschengemachten Seite: Atomkrieg, unkontrollierte KI, synthetische Pandemien, Klimakaskaden und selbstreplizierende Nanotechnologie (Grey Goo).
Die Science-Fiction beschäftigt sich seit ihren Anfängen mit Auslöschungsszenarien. H.G. Wells' The Time Machine (1895) zeigt das langfristige Schicksal der Menschheit als biologische Degeneration. Nevil Shutes On the Beach (1957) beschreibt den langsamen Tod der letzten Menschen nach einem Atomkrieg. Greg Bears Blood Music (1985) erzählt von einer biotechnologischen Singularität, bei der intelligente Zellen die Biosphäre umschreiben. Alastair Reynolds' Revelation Space zeigt die Inhibitoren, Maschinen, die systematisch jede Zivilisation auslöschen, die ein bestimmtes technologisches Niveau erreicht.
Die akademische Beschäftigung mit X-Risks hat seit den 2010er Jahren massiv zugenommen. Das Future of Humanity Institute in Oxford (gegründet von Bostrom), das Centre for the Study of Existential Risk in Cambridge und das Future of Life Institute in Boston erforschen Strategien zur Risikominderung. Die zentrale Erkenntnis: Die meisten existenziellen Risiken sind menschengemacht, und ihre Wahrscheinlichkeit steigt mit der technologischen Entwicklung. Jede Technologie, die mächtig genug ist, um die Welt zu verbessern, ist auch mächtig genug, um sie zu zerstören.
Für die Raumfahrt hat das Auslöschungsrisiko eine zusätzliche Dimension: Interplanetare Kolonisierung als Rückversicherung. Wenn die Menschheit auf mehreren Planeten lebt, kann kein einzelnes Ereignis sie auslöschen. Elon Musk formuliert die Mars-Kolonisierung explizit als Antwort auf existenzielle Risiken. Die Gegenposition (vertreten u.a. von Daniel Deudney in Dark Skies) argumentiert, dass Raumfahrttechnologie selbst ein Risiko darstellt, weil sie Massenvernichtungswaffen ermöglicht.
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