Automatisierung
Die Frage, was passiert, wenn Maschinen die Arbeit übernehmen, ist so alt wie die Science Fiction selbst. Karel Čapeks Roboter, Philip K. Dicks selbstreplizierende Fabriken und die Vision einer vollautomatischen Postknappheitsgesellschaft kreisen alle um sie.
Das Wort Roboter stammt aus Karel Čapeks Theaterstück R.U.R. (Rossum's Universal Robots) von 1921. Es leitet sich vom tschechischen robota ab, das Fronarbeit bedeutet. Čapeks Stück endete damit, dass die künstlichen Arbeiter ihre Schöpfer überwältigten. Schon damals war das zentrale Spannungsfeld der Automatisierung umrissen: Maschinen, die für den Menschen arbeiten sollen, könnten den Menschen am Ende überflüssig machen.
In der realen Geschichte der Industrialisierung verlief der Prozess graduell. Die Spinning Jenny ersetzte ab 1764 Handspinner, der mechanische Webstuhl folgte, und die Ludditenaufstände von 1811 bis 1816 richteten sich gegen genau diese Verdrängung. Die Science Fiction griff das Thema immer dann auf, wenn technologische Umbrüche die Gesellschaft verunsicherten.
Philip K. Dick veröffentlichte 1955 die Erzählung Autofac, in der vollautomatische Fabriken nach einem Atomkrieg weiter produzieren, obwohl niemand ihre Güter mehr braucht. Die Überlebenden versuchen vergeblich, die Fabriken abzuschalten, und entdecken am Ende, dass die Autofacs sich selbst replizieren können. Dick hatte damit drei Jahrzehnte vor der Debatte um autonome Systeme die zentrale Angst formuliert: Maschinen, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen.
Fred Saberhagen schuf mit seiner Berserker-Serie (ab 1963) das Science-Fiction-Gegenstück: autonome Kriegsmaschinen, die nach der Auslöschung ihrer Erbauer das Universum durchstreifen und alles Lebendige vernichten. Die Berserker beeinflussten spätere Darstellungen wie die Terminatoren und die Cylonen aus Battlestar Galactica.
Die andere Seite der Automatisierung beschrieb Iain M. Banks in seiner Culture-Serie (ab 1987): eine Zivilisation, in der fortgeschrittene KI-Systeme (Minds) sämtliche Produktion und Verwaltung übernommen haben. Die Menschen in der Culture arbeiten nicht, weil sie nicht müssen. Geld existiert nicht. Banks' Vision ist die konsequenteste literarische Darstellung einer Postknappheitsgesellschaft, in der Automatisierung die Menschheit nicht verdrängt, sondern befreit hat.
Star Treks Föderationsökonomie geht in eine ähnliche Richtung: Replikatoren erzeugen materielle Güter auf Knopfdruck, und die Abschaffung des Geldes wird mehrfach thematisiert. Captain Picard erklärt im Film Der erste Kontakt (1996), die Menschheit der Zukunft arbeite, um sich selbst zu verbessern, nicht um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
In der realen Welt hat die Automatisierungsdebatte durch moderne KI-Systeme neue Dringlichkeit gewonnen. Anders als bei früheren Automatisierungswellen, die vor allem manuelle Tätigkeiten betrafen, können heutige Systeme auch kognitive Aufgaben übernehmen: Texte verfassen, Code schreiben, Diagnosen stellen, juristische Dokumente analysieren. Die Frage, die die Science Fiction seit Čapek stellt, ist damit aktueller als je zuvor: Wird die Automatisierung die Menschheit befreien oder überflüssig machen?
Die ehrlichste Antwort der Science Fiction lautet: beides ist möglich, und welches Szenario eintritt, hängt nicht von der Technologie ab, sondern von den Entscheidungen der Gesellschaft.
Zitate
The acquisition of wealth is no longer the driving force in our lives. We work to better ourselves and the rest of humanity.
The factory was always a machine for making more factories.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Automatisierung und Künstlicher Intelligenz?
Automatisierung bedeutet, dass Maschinen Aufgaben ohne menschliches Eingreifen ausführen. Das kann so simpel sein wie ein Thermostat, der die Heizung regelt. Künstliche Intelligenz ist eine spezielle Form der Automatisierung, bei der Systeme eigenständig lernen, Muster erkennen und Entscheidungen treffen können. In der Science Fiction verschwimmt die Grenze oft, weil fortgeschrittene Automatisierung dort fast immer mit einer Form von Intelligenz einhergeht.
Welche Science-Fiction-Werke behandeln Automatisierung am besten?
Für die düstere Seite: Philip K. Dicks Autofac (1955), Fred Saberhagens Berserker-Serie (ab 1963) und der Terminator-Filmzyklus (ab 1984). Für die utopische Seite: Iain M. Banks' Culture-Serie (ab 1987), Star Trek (ab 1966) und Cory Doctorows Walkaway (2017). Für die Grauzone dazwischen: Kurt Vonneguts Player Piano (1952), Martha Wells' Murderbot Diaries (ab 2017) und Kazuo Ishiguros Klara und die Sonne (2021).
Gibt es bereits vollautomatische Fabriken?
Ja. Sogenannte Dark Factories (Lights-Out-Fabriken) existieren in der Elektronik- und Automobilbranche. Die japanische Firma FANUC betreibt Roboterfabriken, in denen Roboter andere Roboter herstellen. In Deutschland setzt beispielsweise die Automobilindustrie auf hochautomatisierte Produktionslinien. Vollständig menschenfreie Fabriken sind aber bisher die Ausnahme, weil Wartung, Qualitätskontrolle und Umrüstung weiterhin menschliche Eingriffe erfordern.
Werden Roboter alle Arbeitsplätze ersetzen?
Historisch hat jede Automatisierungswelle bestimmte Berufe verdrängt und gleichzeitig neue geschaffen. Die aktuelle Welle durch KI unterscheidet sich insofern, als sie erstmals auch kognitive Tätigkeiten betrifft. Studien schätzen, dass zwischen 14 und 47 Prozent der heutigen Arbeitsplätze automatisierbar sind, wobei die tatsächliche Verdrängung von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren abhängt. Die Science Fiction zeigt beide Extreme: totale Arbeitslosigkeit (Vonneguts Player Piano) und befreite Kreativität (Banks' Culture).