Biowaffe
Biologische Kampfstoffe, die Krankheitserreger oder Toxine als Waffe einsetzen. Die Synthetische Biologie macht die Herstellung potenziell einfacher und zugänglicher.
Biologische Waffen gehören neben Chemie- und Atomwaffen zu den Massenvernichtungsmitteln und sind seit der Biowaffenkonvention von 1972 international geächtet. In der Praxis hat das Verbot die Forschung nicht vollständig gestoppt: Die Sowjetunion betrieb bis 1992 das geheime Biopreparat-Programm mit zehntausenden Mitarbeitern, das unter anderem waffenfähiges Anthrax und Pocken produzierte. Die Anthrax-Briefe in den USA 2001 zeigten, dass selbst kleine Mengen biologischer Kampfstoffe massive gesellschaftliche Panik auslösen können.
Die Synthetische Biologie hat die Bedrohungslage verändert. CRISPR-Cas9 erlaubt gezielte Veränderungen am Erbgut mit einer Präzision, die vor zehn Jahren undenkbar war. Ein RAND-Bericht von 2024 warnt, dass KI-gestützte Proteindesign-Tools die Schwelle für die Entwicklung neuartiger Pathogene senken könnten. Die Frage ist nicht mehr, ob jemand einen gefährlichen Erreger im Labor konstruieren kann, sondern wann die nötigen Werkzeuge breit genug verfügbar sind.
In der Science Fiction ist die künstlich erzeugte Pandemie ein Dauerthema. Stephen Kings The Stand (1978) beginnt mit einem aus einem Militärlabor entwichenen Superflu-Virus, das 99,4% der Menschheit tötet. Margaret Atwoods MaddAddam-Trilogie (2003-2013) beschreibt einen Wissenschaftler, der absichtlich eine Seuche freisetzt, um die Menschheit durch eine gentechnisch optimierte Spezies zu ersetzen. Richard Prestons The Cobra Event (1997) war so realistisch, dass Bill Clinton nach der Lektüre ein Bioterror-Abwehrprogramm startete.
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie verwundbar globalisierte Gesellschaften gegenüber Infektionskrankheiten sind. Ob der nächste gefährliche Erreger aus der Natur kommt oder aus einem Labor, ist für die Vorbereitung zweitrangig. Die Science Fiction warnt seit Jahrzehnten vor beidem.
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