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Citizen Sleeper (2022)

Tabletop-RPG trifft Cyberpunk auf einer Raumstation.

Gareth Damian Martin (Jump Over The Age) veröffentlichte 2022 eines der beeindruckendsten narrativen Indie-Spiele der letzten Jahre. Der Spieler ist ein Sleeper: eine digitale Kopie eines menschlichen Bewusstseins in einem synthetischen Körper, der einer Megakorporation gehört. Nach der Flucht strandet man auf Erlin's Eye, einer heruntergekommenen Raumstation voller Gestrandeter, Händler und Überlebender.

Das Gameplay nutzt Würfel als Ressource. Zu Beginn jedes Zyklus würfelt man einen Pool, und weist die Ergebnisse verschiedenen Aktionen zu: hohe Zahlen für riskante Aufgaben, niedrige für einfache. Der Körper verfällt mit der Zeit, Stabilisator wird knapp, und die Korporation schickt Jäger. Die Uhr tickt ständig.

Die Geschichten auf Erlin's Eye sind das Herzstück: ein Pilzfarmer, der Kinder großzieht, eine Hackerin, die ein Schiff repariert, eine Bar-Besitzerin mit Geheimnissen. Jede Beziehung vertieft sich über mehrere Zyklen, und die Entscheidungen führen zu verschiedenen Enden. Citizen Sleeper: Episode One, Two und Three erweiterten die Geschichte kostenlos.

Das Spiel stellt dieselben Fragen wie die beste Cyberpunk-Literatur: Wem gehört ein kopiertes Bewusstsein? Hat eine digitale Existenz Würde? Wer weiterlesen will, greift zu Altered Carbon (Morgan), Murderbot (Wells) oder Neuromancer (Gibson).

Gareth Damian Martins Entscheidung, Würfelmechanik in ein narratives Spiel zu integrieren, war ein Risiko. Würfel im Tabletop-Rollenspiel erzeugen Zufall, der manchmal Geschichten zerstört statt sie voranzutreiben. In Citizen Sleeper funktioniert es, weil niedrige Würfelwerte nicht Versagen bedeuten, sondern Entscheidungen unter Ressourcendruck. Man kann trotzdem Fortschritt machen, zahlt nur einen höheren Preis.

Erlin's Eye als Raumstation ist ein durchdachtes Setting. Sie ist weder utopisch noch vollständig dystopisch. Die Menschen dort sind arm, gestresst und schaffen trotzdem Gemeinschaft. Sie helfen einander nicht aus Idealismus, sondern aus pragmatischer Notwendigkeit. Das ist realistischer als die meisten SF-Dystopien.

Citizen Sleeper: Episode 1-3 (2023, kostenlose DLCs) erweiterter die Geschichte um neue Charaktere und gab der Welt mehr Tiefe. Das Spiel zeigte, wie sich ein narratives Indie-Spiel durch kostenlose Erweiterungen pflegen kann, ohne Pay-to-Win-Mechaniken oder Battle-Passes zu benötigen.

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Citizen Sleeper (2022). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/citizen-sleeper/ (abgerufen am 17.06.2026).

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