The Outer Worlds (2019)
Obsidians satirisches RPG über Konzernherrschaft im Weltraum.
Obsidian Entertainment (Fallout: New Vegas, Pillars of Eternity) veröffentlichte 2019 ein First-Person-RPG im Halcyon-System, einer Kolonie, die vollständig von Megakonzernen verwaltet wird. Die Unternehmen besitzen alles: Häuser, Nahrung, Gräber, sogar die Luft zum Atmen ist ein kostenpflichtiges Abonnement. Wer krank wird und nicht arbeiten kann, wird als Vertragsverletzung behandelt.
Der Spieler erwacht aus dem Kryoschlaf auf einem gestrandeten Kolonieschiff und mischt sich in den Machtkampf der Konzerne ein. Die Dialoge bieten durchgehend die Möglichkeit, dumm zu sein (ein eigener Skill namens 'Dumb' schaltet absurde Antwortoptionen frei), und Companions haben eigene Quests und Persönlichkeiten. Parvati Holcomb wurde von der Community als einer der besten RPG-Begleiter aller Zeiten gefeiert.
Der Humor ist bissig, aber nie plump. Werbetafeln preisen Produkte an, die offensichtlich schädlich sind, Firmenlogos prangen auf Grabsteinen, und ein Vorarbeiter erklärt mit vollem Ernst, dass der Tod eines Arbeiters ein Verstoß gegen die Werkrichtlinien sei. Die Spacer's Choice-Marke (nicht die beste Wahl, aber Spacer's Choice!) wurde zum Meme.
Wer die Konzern-Dystopie in Buchform weiterlesen will, greift zu Snow Crash (Stephenson), The Space Merchants (Pohl/Kornbluth) oder Qualityland (Kling).
Parvati Holcombs Quest in The Outer Worlds 1 war einer der wohlüberlegtesten Charaktermomente in einem AAA-RPG: Ein Companion offenbart asexuelle Orientierung nicht als Drama oder als Plotpunkt, sondern als Teil ihrer normalen Persönlichkeit. Die Community-Reaktion war überwältigend positiv. Obsidian setzte damit einen Standard für Repräsentation ohne Spektakel.
Die Spacer's Choice-Wirtschaftslogik im Spiel (mindestwertige Produkte wegen maximaler Aktionärsrendite) ist eine satirische Überspitzung, die reale Unternehmensstrategien karikiert. Dass die Kolonisten in dieser Logik auch keine Alternative kennen, macht die Satire zur Tragikomödie: Man lacht und erschrickt, weil die Logik vertraut ist.
Obsidians Designphilosophie bei Fallout: New Vegas und den Outer-Worlds-Spielen ist konsistent: Es gibt keine gute Seite. Alle Fraktionen haben legitime Interessen und moralische Blindstellen. Das ist unbequemer als binäre Gut-Böse-Strukturen, aber näher an der Realität. Wer das in Buchform sucht: Ursula K. Le Guins The Dispossessed ist der Klassiker des 'es gibt keine utopische Lösung'-Science-Fiction.
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The Outer Worlds (2019). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/outer-worlds/ (abgerufen am 17.06.2026).