Colony Ship
Ein Raumschiff, das nicht nur eine Besatzung, sondern eine komplette Siedlergemeinschaft samt Ausrüstung, Saatgut und Embryonen zu einem neuen Planeten transportiert.
Das Colony Ship (Kolonieschiff) ist ein wiederkehrendes Motiv der Science Fiction, das sich vom Generationenschiff durch einen entscheidenden Punkt unterscheidet: Es ist für die Ankunft gebaut, nicht für die Reise. Während ein Generationenschiff eine Gesellschaft beherbergen muss, die über Jahrhunderte im Schiff lebt und stirbt, kann ein Colony Ship seine Passagiere in Kryoschlaf oder als digitale Muster transportieren und erst am Ziel wieder aufwecken.
Die technischen Anforderungen sind trotzdem enorm. Ein Colony Ship muss alles mitführen, was eine Zivilisation zum Neustart braucht: landwirtschaftliches Saatgut, Nutztierembryonen, industrielle Grundausstattung, medizinische Versorgung, genetische Vielfalt (mindestens einige tausend Menschen oder deren genetisches Material, um Inzuchtdepression zu vermeiden). Studien wie das Project Hyperion der British Interplanetary Society schätzen die Mindestmasse eines interstellaren Colony Ships auf mehrere Millionen Tonnen.
In der Science Fiction gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze. Der erste ist das bemannte Kolonieschiff: Arthur C. Clarkes Rendezvous with Rama (1973) beschreibt ein zylindrisches Schiff, das eine komplette Biosphäre enthält. Kim Stanley Robinsons Aurora (2015) erzählt die Geschichte eines Generationenschiffs, das zum Colony Ship wird, weil der Zielplanet sich als unbewohnbar erweist. Robinson nutzt den Roman, um die fundamentalen Schwierigkeiten geschlossener Ökosysteme über lange Zeiträume zu zeigen.
Der zweite Ansatz ist das Embryo-Kolonieschiff oder Seed Ship: Ein kleines, unbemanntes Schiff transportiert gefrorene Embryonen und synthetische Gebärmütter. Am Ziel angekommen, baut eine KI die Infrastruktur auf und zieht die erste Generation von Kolonisten auf. Dieses Konzept erscheint bei Octavia Butlers Xenogenesis-Trilogie (in veränderter Form, als die Oankali menschliche Embryonen manipulieren) und in Adrian Tchaikovskys Children of Time (2015), wo ein fehlgeschlagenes Terraforming-Projekt die Evolution auf dem Zielplaneten in unerwartete Bahnen lenkt.
Die Frage, wer auf ein Colony Ship darf, ist ein eigenes ethisches Dilemma. Wer wählt die Passagiere aus? Nach welchen Kriterien? Was passiert mit denen, die zurückbleiben? Diese Fragen behandeln Filme wie Interstellar (wo die Erde stirbt und die Menschheit einen neuen Planeten braucht) und Romane wie Mary Doria Russells The Sparrow (wo eine Jesuitenmission den ersten interstellaren Kontakt herstellt).
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