Spiel

Dead Space Remake (2023)

Survival-Horror auf einem Bergbauschiff, komplett neu aufgebaut.

Motive Studios baute 2023 den Survival-Horror-Klassiker von 2008 von Grund auf neu. Der Ingenieur Isaac Clarke kämpft sich durch das verlassene Bergbauschiff USG Ishimura, dessen Besatzung sich in albtraumhafte Necromorphs verwandelt hat. Das Remake erneuert Grafik und Klang vollständig, behält aber die beklemmende Stille und das berüchtigte Zerlegen der Gegner Glied für Glied bei, das Dead Space einst seinen Ruf verschaffte.

Dead Space ist im besten Sinne ein Destillat aus Alien und Event Horizon: ein enges Raumschiff als tödliche Falle, ein religiöser Kult, eine fremde Macht und der langsam zerfallende Verstand der Hauptfigur. Der Horror entsteht nicht aus billigen Schreckmomenten allein, sondern aus Isolation, aus dem Knarren der Schiffshülle und aus der Gewissheit, im Vakuum vollkommen auf sich allein gestellt zu sein.

Damit steht das Spiel in der großen Tradition des kosmischen Schiffshorrors, in dem der Weltraum nicht bunter Abenteuerspielplatz, sondern unbarmherzige Leere ist. Das Raumschiff wird zum Sarg, die hochentwickelte Technik zur Bedrohung, und der Mensch zur fragilen Ausnahme in einer Umgebung, die ihn jederzeit töten kann.

Wer den kosmischen Horror von Dead Space liebt, liest danach Peter Watts' Blindsight über eine verstörende Begegnung an den Rändern des Sonnensystems und Caitlin Starlings The Luminous Dead über die nackte Angst in absoluter Enge. Auch Stanislaw Lems Solaris passt mit seiner Stimmung des Unbegreiflichen hervorragend zu dieser Art von Schrecken.

Die Necromorphs sind als Feind-Design konzeptuell stark, weil sie die körperliche Unversehrtheit als Spielmechanik einbeziehen. Kopf abzutrennen hilft nicht, weil die Körper auch ohne ihn weiterfunktionieren. Arme abzutrennen lähmt. Beine blockieren die Bewegung. Das Spiel zwingt den Spieler, jeden Gegner systematisch zu demontieren, was Horror und Gameplay in einer selten so konsequenten Weise verbindet.

Motive Studios hat beim Remake eine Entscheidung getroffen, die viele Remakes falsch machen: Sie haben das Original nicht nur poliert, sondern strukturell verbessert. Die Raumstation Ishimura ist als Ganzes erfahrbar statt als linearer Schlauch. Neue Story-Elemente fügen Kontext hinzu, ohne die ursprüngliche Erzählung zu beschädigen. Das ist das handwerkliche Kunststück des Remakes: Verbesserung ohne Entwertung.

Das Franchise hat sich selbst durch Sequels beschädigt. Dead Space 3 (2013) führte Koop-Multiplayer und Waffenaufrüstung ein, die für ein normales Actionspiel gut, für einen Horrorfilm funktionierend schlecht wären. Das Remake stellte den ursprünglichen Ton wieder her. Wer Dead Space 2 kennt, wird es als das beste Spiel der Reihe einordnen. Wer das Remake kennt, wird das erste Spiel in seiner saubersten Form kennenlernen.

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Dead Space Remake (2023). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/dead-space-remake/ (abgerufen am 17.06.2026).