Extremely Large Telescope
Das größte optische Teleskop der Welt, derzeit in der chilenischen Atacamawüste im Bau, mit einem Spiegel von 39 Metern Durchmesser.
Das Extremely Large Telescope (ELT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) wird nach Fertigstellung das größte optische und Nahinfrarot-Teleskop der Welt sein. Sein segmentierter Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 39,3 Metern, zusammengesetzt aus 798 sechseckigen Spiegelsegmenten. Zum Vergleich: Das Hubble-Weltraumteleskop hat einen Spiegel von 2,4 Metern.
Der Standort ist der Cerro Armazones in der chilenischen Atacamawüste auf 3.046 Metern Höhe, einer der trockensten und klarsten Beobachtungsorte der Erde. Der Bau begann 2017, das First Light ist für 2028 geplant. Die Kosten liegen bei über 1,3 Milliarden Euro.
Das ELT wird in der Lage sein, Exoplaneten-Atmosphären direkt zu analysieren und nach Biosignaturen zu suchen. Es kann Sterne in nahen Galaxien einzeln auflösen, die ersten Sterne und Galaxien im frühen Universum beobachten, und die Expansion des Universums mit neuer Präzision vermessen. Mit adaptiver Optik, die atmosphärische Turbulenzen in Echtzeit korrigiert, wird das ELT schärfere Bilder liefern als das Hubble-Weltraumteleskop.
Parallel zum ELT werden zwei weitere Riesenteleskope gebaut: das Thirty Meter Telescope (TMT) auf Hawaii/La Palma und das Giant Magellan Telescope (GMT) in Chile. Zusammen werden sie die bodengebundene Astronomie in den 2030er Jahren revolutionieren.
Gerade die adaptive Optik ist es, die diese Riesenteleskope erst zu dem macht, was sie sein sollen, denn ohne sie würde die unruhige Erdatmosphäre ihre gewaltige Sammelfläche verschenken. Das Funkeln der Sterne, das mit bloßem Auge romantisch wirkt, ist für ein großes Teleskop ein Fluch, weil Luftturbulenzen das Bild ständig verzerren und unscharf machen. Die adaptive Optik bekämpft das, indem sie diese Verzerrung Hunderte Male pro Sekunde misst und einen verformbaren Spiegel in Echtzeit gegensteuert, oft anhand eines künstlichen Leitsterns, der mit einem Laser in die obere Atmosphäre projiziert wird. Erst dadurch kann ein erdgebundenes Teleskop wie das ELT schärfere Bilder liefern als das Hubble-Teleskop im Weltraum. Diese Technik verbindet sich mit der schieren Größe des 39-Meter-Spiegels zu einer Lichtsammelkraft, die das direkte Abbilden erdähnlicher Exoplaneten und die Beobachtung der allerersten Galaxien in greifbare Nähe rückt. Das Extremely Large Telescope steht damit für eine neue Generation bodengebundener Astronomie, die mit den großen Weltraumteleskopen nicht konkurriert, sondern sie ergänzt.
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