Technologie

Grauer Goo

Hypothetisches Weltuntergangsszenario, bei dem sich selbstreplizierende Nanobots unkontrolliert vermehren und alle Materie der Erde aufzehren.

Grauer Goo (englisch: Grey Goo) ist ein Gedankenexperiment von K. Eric Drexler aus seinem Buch Engines of Creation (1986). Die Idee: Wenn selbstreplizierende Nanobots in die Umwelt gelangen und unkontrolliert beginnen, Rohstoffe in Kopien ihrer selbst umzuwandeln, könnten sie theoretisch die gesamte Biomasse der Erde in eine formlose graue Masse verwandeln. Exponentielles Wachstum macht das Szenario besonders bedrohlich. Ein einzelner Nanobot, der sich alle 100 Sekunden verdoppelt, würde innerhalb weniger Tage die Masse der Erde überschreiten.

Drexler selbst hat sich später von dem Szenario distanziert und betont, dass praktische Nanobots nicht so konstruiert würden. Die Gefahr liegt weniger in einem Unfall als in einer absichtlichen Weaponisierung. Die reale Nanotechnologie arbeitet mit nicht-replizierenden Strukturen und ist von selbstreplizierenden Maschinen noch Jahrzehnte entfernt.

In der Science-Fiction ist Grauer Goo ein beliebtes Apokalypse-Szenario. Michael Crichtons Beute (2002) zeigt einen außer Kontrolle geratenen Nanobot-Schwarm, auch wenn die Darstellung biologischer als mechanisch ist. Greg Bears Blood Music (1985) beschreibt intelligente Zellen, die ihren Wirt und dann die gesamte Biosphäre transformieren. Stanislaw Lems Der Unbesiegbare (1964) schildert einen Planeten, auf dem sich mechanische Mikromaschinen über Millionen Jahre zu einer planetaren Bedrohung entwickelt haben.

Gerade der Graue Goo ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Gedankenexperiment ein ganzes Genre prägen kann. Die Vorstellung sich endlos vermehrender Nanobots, die alles in graue Masse verwandeln, fasziniert gerade durch die unerbittliche Logik des exponentiellen Wachstums. Dass selbst ihr Erfinder Drexler das Szenario später relativierte, ändert nichts an seiner Wirkung als modernes Schreckbild. In der Science-Fiction lebt es als Apokalypse aus dem Allerkleinsten weiter und erinnert daran, dass die größte Gefahr einer mächtigen Technologie nicht in ihrer Größe, sondern in ihrer Unkontrollierbarkeit liegen kann.