Astronomie

Großer Roter Fleck

Der Große Rote Fleck ist ein gewaltiger Wirbelsturm in der Atmosphäre des Jupiter, größer als die Erde und seit mindestens rund 190 Jahren durchgehend beobachtet. Er ist ein Fixpunkt zahlloser Romane, die unter den Wolken der Gasriesen spielen.

Der Große Rote Fleck ist das auffälligste Merkmal des Planeten Jupiter, ein riesiger, rötlich gefärbter Sturm in dessen oberen Wolkenschichten. Es handelt sich um ein Hochdruckgebiet, einen sogenannten Antizyklon, dessen Winde am Rand Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde erreichen. Der Fleck ist so groß, dass die Erde bequem in ihn hineinpassen würde, auch wenn er heute kleiner ist als noch vor wenigen Jahrzehnten. Seine charakteristische rötliche Färbung stammt vermutlich von chemischen Verbindungen, die durch Sonnenlicht und Strahlung aus den Gasen der Jupiteratmosphäre entstehen, doch die genaue Ursache der Farbe ist bis heute nicht restlos geklärt.

Die Beständigkeit des Sturms ist bemerkenswert. Durchgehende, zuverlässige Beobachtungen reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, sodass der Fleck seit mindestens rund 190 Jahren ununterbrochen tobt. Ältere Berichte aus dem 17. Jahrhundert beschreiben zwar ebenfalls einen Fleck auf Jupiter, doch neuere Studien legen nahe, dass dies womöglich nicht derselbe Sturm war. Damit ist der Große Rote Fleck der langlebigste bekannte Sturm im Sonnensystem, etwas, das auf der Erde völlig undenkbar wäre, wo selbst die mächtigsten Wirbelstürme nach Tagen oder Wochen zerfallen. Möglich wird diese Langlebigkeit dadurch, dass Jupiter keine feste Oberfläche besitzt, an der sich ein Sturm aufreiben könnte.

In den vergangenen Jahrzehnten beobachten Astronomen jedoch, dass der Fleck schrumpft. Während frühere Messungen im 19. Jahrhundert eine erheblich größere Ausdehnung ergaben, ist er heute deutlich kompakter und hat sich von einer länglichen ovalen Form mehr einer runden Gestalt angenähert. Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops dokumentieren diese Verkleinerung über die Jahre. Warum der Sturm schrumpft und ob er sich womöglich irgendwann auflösen wird, ist eine offene Frage der Planetenforschung. Die Raumsonde Juno der NASA hat zudem gezeigt, dass der Fleck nicht nur ein flaches Phänomen ist, sondern Wurzeln hat, die hunderte Kilometer tief in die Atmosphäre hinabreichen.

Für die Science-Fiction ist der Große Rote Fleck ein unwiderstehlicher Schauplatz. In Arthur C. Clarkes Erzählungen, etwa in Begegnung mit Medusa, schweben gewaltige Lebewesen durch die Wolkenschichten des Gasriesen, und der Fleck dient als markante Landmarke in einer Welt ohne Boden. Auch in zahllosen anderen Romanen über die Erkundung Jupiters taucht er als Orientierungspunkt, Gefahrenzone oder schlicht als überwältigendes Naturschauspiel auf. Die Vorstellung, in einem Ballon oder Luftschiff durch die ewigen Stürme eines Gasriesen zu treiben, hat eine besondere Faszination.

Der Große Rote Fleck steht damit sinnbildlich für die fremdartige Größe der äußeren Planeten. Ein Sturm, der älter ist als jede menschliche Wettervorhersage und größer als unser gesamter Planet, führt eindrücklich vor Augen, wie sehr sich die Gasriesen von unserer vertrauten Welt unterscheiden. Jede neue Sonde, die Jupiter besucht, liefert weitere Hinweise auf das Innenleben dieses uralten Wirbels.

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