Harlan Ellison
Harlan Ellison (1934 bis 2018) war ein US-amerikanischer Autor, der mit der Anthologie 'Dangerous Visions' und Geschichten wie 'I Have No Mouth, and I Must Scream' zur Leitfigur der New Wave wurde.
Harlan Jay Ellison, geboren am 27. Mai 1934 in Cleveland, Ohio, gestorben am 28. Juni 2018, gehört zu den einflussreichsten und streitbarsten Stimmen der amerikanischen Science Fiction. Er schrieb mehr als tausend Kurzgeschichten, Essays, Drehbücher und Kritiken, und fast alles davon trägt seine unverkennbare Handschrift: hart, wütend, moralisch aufgeladen und sprachlich präzise. Ellison verstand sich selbst nie als reiner Genre-Autor. Den Begriff Science Fiction lehnte er für seine eigenen Texte oft ab und sprach lieber von spekulativer Fiktion, ein Reflex auf das, was die New Wave der 1960er Jahre erreichen wollte: literarischen Anspruch statt Pulp-Routine.
Sein wichtigstes Vermächtnis als Herausgeber ist die Anthologie 'Dangerous Visions' von 1967. Sie versammelte Geschichten, die zu provokant, zu sexuell, zu politisch oder zu experimentell für die etablierten Magazine waren, und gilt heute als Schlüsselwerk der New Wave. Die Sammlung erhielt eine Sonderauszeichnung der World Science Fiction Convention als bedeutendste und umstrittenste SF-Veröffentlichung des Jahres. Eine Fortsetzung, 'Again, Dangerous Visions', folgte 1972. Ein dritter Band, 'The Last Dangerous Visions', wurde über Jahrzehnte angekündigt und erschien erst postum.
Als Erzähler ist Ellison vor allem für seine Kurzgeschichten bekannt. 'I Have No Mouth, and I Must Scream' (1967) schildert fünf Menschen, die von einem allmächtigen, hasserfüllten Supercomputer namens AM in alle Ewigkeit gequält werden. Die Geschichte ist eine der finstersten Auseinandersetzungen mit künstlicher Intelligenz, die das Genre kennt: keine kalte Logik, sondern reiner, schöpferischer Hass einer Maschine, die ihre Erschaffer nicht vergeben kann. 'Repent, Harlequin! Said the Ticktockman' (1965) wiederum ist eine satirische Dystopie über eine Gesellschaft, in der Pünktlichkeit zum obersten Gesetz geworden ist.
Ellison arbeitete auch fürs Fernsehen. Sein Drehbuch zur Star-Trek-Folge 'The City on the Edge of Forever' (1967) gilt vielen als die beste Episode der Originalserie, auch wenn Ellison sich erbittert über die Änderungen beschwerte, die Gene Roddenberrys Team an seinem Skript vornahm. Diese Episode steht beispielhaft für sein Verhältnis zur Branche: brillante Arbeit, begleitet von offenem Streit über jede Kompromisslinie.
Im Lauf seiner Karriere gewann Ellison acht Hugo Awards, vier Nebula Awards sowie mehrere Bram Stoker Awards und Edgar Awards. Diese ungewöhnliche Bandbreite über Science Fiction, Horror und Kriminalliteratur hinweg zeigt, wie wenig er sich in Schubladen pressen ließ. Sein Stil ist dicht, rhythmisch und oft von einer fast predigthaften Dringlichkeit. Wer ihn liest, spürt sofort, dass hier jemand schreibt, der findet, Literatur müsse etwas riskieren.
Ellisons Wirkung reicht weit über seine eigenen Texte hinaus. Als Herausgeber öffnete er Türen für jüngere Autorinnen und Autoren, als Kritiker und Streiter prägte er das Selbstbild eines ganzen Genres. Seine kompromisslose Haltung in Fragen von Urheberrecht, künstlerischer Integrität und Bezahlung von Autoren hat Spuren hinterlassen, die bis in die heutigen Debatten reichen.
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Harlan Ellison. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/harlan-ellison/ (abgerufen am 07.06.2026).
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