Jack Finney
US-amerikanischer Autor (1911 bis 1995), Schöpfer von 'Die Körperfresser kommen' und des Zeitreiseromans 'Das andere Ufer der Zeit' (Time and Again).
Jack Finney, mit bürgerlichem Namen Walter Braden Finney (2. Oktober 1911 bis 14. November 1995), war ein amerikanischer Autor, dessen Werk zwei der dauerhaftesten Motive der Science Fiction prägte: die heimliche Invasion und die nostalgische Zeitreise. Geboren in Milwaukee und ausgebildet am Knox College in Illinois, arbeitete Finney zunächst in der Werbebranche in New York, bevor er begann, Geschichten für populäre Magazine wie Collier's und die Saturday Evening Post zu schreiben.
Seinen größten kulturellen Einfluss verdankt er dem Roman 'The Body Snatchers' aus dem Jahr 1955, der auf Deutsch als 'Die Körperfresser kommen' bekannt wurde. Die Geschichte handelt von einer kalifornischen Kleinstadt, in der Menschen unbemerkt durch identisch aussehende, aber emotionslose Doppelgänger ersetzt werden, die aus außerirdischen Sporen heranwachsen. Das Buch wurde 1956 unter dem Titel 'Invasion of the Body Snatchers' verfilmt und mehrfach neu adaptiert. Die Filme gelten als Klassiker und wurden oft als Parabel gedeutet, sei es auf Konformismus, auf politische Paranoia oder auf den Verlust der eigenen Identität in einer gleichgeschalteten Gesellschaft. Finney selbst betonte, er habe vor allem eine spannende Geschichte erzählen wollen, doch die Doppeldeutigkeit machte den Stoff unsterblich.
Finneys zweites großes Werk ist der Zeitreiseroman 'Time and Again' von 1970, der auf Deutsch unter dem Titel 'Das andere Ufer der Zeit' erschien. Darin reist der Werbegrafiker Simon Morley im Rahmen eines geheimen Regierungsprojekts ins New York des Jahres 1882 zurück, allerdings nicht mit einer Maschine, sondern durch tiefe Versenkung in die Lebenswelt der Vergangenheit. Der Roman ist berühmt für seine liebevolle, fast greifbare Rekonstruktion des historischen New York und wurde mit zahlreichen zeitgenössischen Fotografien und Illustrationen versehen. 'Time and Again' gilt als einer der schönsten und melancholischsten Zeitreiseromane überhaupt, weil er die Vergangenheit nicht als Abenteuerspielplatz, sondern als verlorenes Sehnsuchtsland zeigt. Eine Fortsetzung erschien 1995 unter dem Titel 'From Time to Time'.
Finneys Stärke lag in der Verbindung von alltäglicher Vertrautheit und unterschwelligem Grauen oder Wunder. Seine Figuren sind gewöhnliche Menschen, in deren vertrautes Leben das Unheimliche oder das Wunderbare einsickert. Diese Erdung im Gewöhnlichen machte seine phantastischen Stoffe besonders glaubwürdig und einflussreich. Der Gedanke, dass die eigene Stadt, die eigenen Nachbarn, der eigene Körper heimlich unterwandert sein könnten, gehört bis heute zum Grundbestand der unheimlichen Science Fiction. Finney bleibt der Autor, der das Vertraute fremd und das Vergangene lebendig zu machen verstand.
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Jack Finney. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/jack-finney/ (abgerufen am 07.06.2026).
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