Konzept

Jupiter Brain

Hypothetischer Computer von der Größe eines Gasriesen, der die gesamte Masse eines Planeten als Rechensubstrat nutzt.

Ein Jupiter Brain (auch Jupiter-Gehirn oder Matrijoschka-Gehirn in manchen Varianten) ist ein hypothetischer Computer, dessen Masse und Volumen einem Gasriesen wie Jupiter entsprechen. Die gesamte Materie des Planeten wird in Computronium umgewandelt, also in die effizienteste denkbare Rechenstruktur. Ein solcher Computer hätte eine Rechenleistung, die alle heute vorstellbaren Supercomputer um viele Größenordnungen übertrifft.

Das Konzept stammt aus Diskussionen über die Grenzen der Berechnung in den 1990er Jahren. Robert Bradbury beschrieb mit dem Matrijoschka-Gehirn eine verwandte Idee: Konzentrische Dyson-Schalen um einen Stern, wobei jede Schale die Abwärme der inneren Schale als Energiequelle nutzt. Ein Jupiter Brain beschränkt sich dagegen auf die Masse eines einzelnen Planeten.

In der Science Fiction dient das Konzept oft als Endstufe technologischer Zivilisationen. Charles Stross beschreibt in Accelerando (2005), wie die Menschheit schrittweise das Sonnensystem in Computronium umwandelt. In Alastair Reynolds Revelation-Space-Reihe nutzen die Inhibitoren planetare Rechensysteme. Greg Egans Diaspora (1997) erforscht virtuelle Zivilisationen, die in solchen Strukturen leben könnten.

Das Jupiter Brain wirft fundamentale Fragen auf: Würde ein solcher Computer ein einzelnes, unvorstellbar komplexes Bewusstsein beherbergen? Oder Milliarden virtueller Welten und Zivilisationen? Und wenn eine Zivilisation ihre gesamte physische Existenz in ein Jupiter Brain hochlädt, hat sie sich dann weiterentwickelt oder vernichtet?

Die Physik eines Jupiter Brain ist weniger absurd als sie klingt. Berechnungen von Hans Moravec und Robert Bradbury in den 1990er Jahren zeigten, dass ein Kubikmeter optimaler Rechnerhardware theoretisch mehr Rechenoperationen pro Sekunde durchführen könnte als alle menschlichen Gehirne aller Menschen, die je gelebt haben, zusammen. Ein Jupiter Brain hat nicht einen Kubikmeter, sondern das Volumen des größten Planeten des Sonnensystems. Die Rechenleistung wäre im Vergleich zur Menschheit unfassbar.

Das Matrijoschka-Gehirn, das Bradbury beschrieb, ist eine Erweiterung des Jupiter Brain auf stellar statt planetary Dimensionen. Konzentrische Dyson-Schalen um einen Stern, jede die Abwärme der inneren als Eingabe nutzend, ergeben einen Computer, der die Energie eines ganzen Sterns für Berechnungen nutzt. Das ist ein Kardaschow-Typ-II-Computer. Ein Jupiter Brain wäre dagegen Kardaschow Typ I, mit planetarer Energie.

Greg Egan hat in Diaspora am eindringlichsten beschrieben, was eine Zivilisation sein könnte, die in solchen Strukturen lebt. Posthumane Wesen, die als Muster in Computronium existieren, haben keine natürliche Todesszeit und können beliebig Kopien von sich anlegen. Fragen nach Identität, Kontinuität und Sinn verlieren und gewinnen neue Dimensionen. Das Jupiter Brain ist deshalb nicht nur ein Ingenieursproblem, sondern ein Philosophieproblem.