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Last and First Men

Olaf Stapledons Zukunftschronik verfolgt die Menschheit über Milliarden Jahre und verwandelt Science Fiction in eine Geschichte ganzer Speziesformen.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails zu Last and First Men.

Olaf Stapledons Last and First Men erschien 1930 und gehört zu den ungewöhnlichsten Frühwerken der Science Fiction. Der Roman erzählt keine klassische Handlung um einzelne Figuren. Er präsentiert eine gewaltige Zukunftsgeschichte der Menschheit, die sich über Milliarden Jahre erstreckt. Verschiedene menschliche Spezies entstehen, steigen auf, scheitern, werden ersetzt oder verändern sich so stark, dass der Begriff Mensch immer wieder neu bestimmt werden muss.

Stapledon schreibt aus der Perspektive einer weit entfernten Zukunft, die angeblich auf die ersten Menschen zurückblickt. Die Menschheit durchläuft politische Katastrophen, biologische Transformationen, technische Sprünge, planetare Wanderungen und geistige Veränderungen. Immer wieder wird deutlich, dass Zivilisation nicht linear wächst. Ganze Kulturen können brillant sein und dennoch scheitern. Andere wirken barbarisch und tragen doch Keime späterer Entwicklung in sich. Die Menschheit ist bei Stapledon kein fertiger Zustand, sondern ein Prozess über kosmische Zeiträume.

Die eigentliche Kühnheit des Romans liegt in seiner Distanz. Einzelne Leben verschwinden fast völlig. Was zählt, sind Spezies, Epochen, mentale Entwicklungen und planetare Bedingungen. Dadurch wirkt Last and First Men manchmal trocken, aber auch fremdartig erhaben. Stapledon entwirft unter anderem spätere Menschenarten mit neuen Körpern, erweiterten Bewusstseinsformen und anderen sozialen Ordnungen. Diese Spekulationen beeinflussten spätere Autorinnen und Autoren stark, darunter Arthur C. Clarke, C. S. Lewis und viele Denker langfristiger Zivilisationsentwicklung.

Für die Science Fiction ist Last and First Men ein Grundtext des Deep-Time-Denkens. Der Roman macht klar, dass Zukunft nicht nur das nächste Jahrhundert meint. Zukunft kann eine Bühne sein, auf der Biologie, Kosmologie und Philosophie zusammenwirken. Moderne Themen wie Posthumanismus, Transhumanismus, planetare Verwundbarkeit und das Ende der Menschheit sind hier bereits angelegt. Wer eine Figurenhandlung erwartet, wird Mühe haben. Wer Science Fiction als Spekulation über den Ort des Menschen im Universum versteht, findet einen der großen Vorläufer fast aller späteren Zivilisationspanoramen.

Für BuchKnall ist Last and First Men ein zentraler Referenztext für alle Begriffe, die mit Posthumanismus, Deep Time und dem Ende der Menschheit verbunden sind. Stapledon erzählt keine Zukunft, die noch in menschlichen Lebensläufen aufgeht. Er betrachtet Spezies wie historische Figuren. Dadurch wird der Roman zu einem seltenen Gegenpol moderner, stark figurengetriebener SF und zeigt, wie weit das Genre denken kann, wenn es den Menschen nicht als Endpunkt, sondern als Zwischenstadium behandelt.

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Last and First Men. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/last-and-first-men/ (abgerufen am 06.06.2026).