Persönlichkeit

Martha Wells

Amerikanische Autorin der Murderbot-Reihe, deren sozial ängstlicher Kampfroboter mit Seriensucht zu einer der beliebtesten SciFi-Figuren der Gegenwart wurde.

Martha Wells hatte bereits eine respektable Karriere als Fantasy-Autorin hinter sich, als sie 2017 mit All Systems Red die Murderbot Diaries startete und damit einen der überraschendsten Hits der modernen Science-Fiction landete. Die Ich-Erzählerin ist eine als Mörderbot bezeichnete Sicherheitseinheit, ein Konstrukt aus organischen und maschinellen Teilen, das sein Steuerungsmodul gehackt hat und nun theoretisch frei ist, aber nicht weiß, was es mit dieser Freiheit anfangen soll. Statt die Menschheit zu vernichten, will Murderbot vor allem in Ruhe gelassen werden und Serien schauen.

Die Kombination aus actionreicher Space-Opera-Handlung und der zutiefst nachvollziehbaren inneren Stimme einer Figur, die soziale Interaktion als anstrengend empfindet und lieber Medien konsumiert als mit Menschen zu reden, traf einen Nerv. Murderbot wurde zur Identifikationsfigur für introvertierte, neurodivergente und sozial ängstliche Leser weltweit. Die Serie wuchs von Novellen zu vollständigen Romanen, gewann mehrere Hugo und Nebula Awards und wurde zu einem der kommerziell erfolgreichsten SciFi-Werke der 2020er Jahre.

Wells schreibt mit trockenem Humor und präziser Actionchoreografie. Ihre Stärke liegt darin, ernste Themen wie Autonomie, Identität und das Recht auf Selbstbestimmung durch die Perspektive einer Figur zu verhandeln, die formal kein Mensch ist, aber zutiefst menschliche Ängste und Bedürfnisse hat. Vor den Murderbot Diaries schrieb Wells die Raksura-Fantasy-Reihe und den Einzelroman The Death of the Necromancer. Ihr Erfolg kam spät in ihrer Karriere und wird oft als Beispiel dafür zitiert, dass ein einziges Werk alles verändern kann.

Mit Network Effect (2020), dem ersten vollständigen Roman der Reihe nach vier Novellen, gelang Wells die seltene Trias aus Nebula Award, Hugo Award und Locus Award für denselben Roman, dazu gewann die gesamte Serie 2021 den Hugo Award als beste Serie. Insgesamt stehen inzwischen vier Hugo, zwei Nebula und drei Locus Awards für die Murderbot Diaries zu Buche. Bei System Collapse zog Wells ihre eigenen Nebula- und Hugo-Nominierungen zurück, mit der Begründung, die Reihe habe bereits genug Anerkennung erhalten und andere Werke verdienten die Aufmerksamkeit, eine im Genre ungewöhnliche Geste.

2023 kehrte Wells mit Witch King zu reiner Fantasy zurück und damit zu den Wurzeln ihrer Karriere: Bereits 1993 debütierte sie mit The Element of Fire, es folgten die Ile-Rien-Romane wie The Death of the Necromancer (1998) und die mehrbändige Raksura-Reihe (2011-2017) über eine Gesellschaft geflügelter, gestaltwandelnder Wesen. Witch King, 2025 mit Queen Demon fortgesetzt, zeigt, dass Wells' Erfolg mit Murderbot keine Eintagsfliege war, sondern auf einem jahrzehntelangen, vielseitigen Werk aufbaut.

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Martha Wells. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/martha-wells/ (abgerufen am 12.07.2026).