Persönlichkeit

Molly Gloss

US-amerikanische Autorin (geboren 1944), bekannt für den Generationenschiff-Roman 'The Dazzle of Day' über eine Quäker-Gemeinschaft und den Roman 'Wild Life'.

Molly Gloss, geboren 1944, ist eine US-amerikanische Autorin aus dem pazifischen Nordwesten, deren Werk sich zwischen literarischer Erzählkunst und Science Fiction bewegt. Sie stammt aus einer alteingesessenen Familie in Oregon und lebt in Portland. Ihre Bücher zeichnen sich durch einen ruhigen, genauen Stil aus, der mehr an die große amerikanische Erzähltradition erinnert als an die actionbetonte Genreware, und gerade dadurch fällt sie im Feld auf.

Ihr bekanntester Science-Fiction-Roman ist 'The Dazzle of Day' (1997), der zum größten Teil an Bord eines Generationenschiffs spielt. Das riesige ringförmige Habitat, das von einem gewaltigen Sonnensegel durch den Raum gezogen wird, beherbergt eine Gemeinschaft, die überwiegend aus Quäkern besteht. Nach einer Reise von rund 175 Jahren nähert sich das Schiff seinem Zielplaneten, doch die neue Welt erweist sich als kalt und ungastlich, während sich die Menschen an Bord in ihrer selbstgeschaffenen, überschaubaren Lebenswelt eingerichtet haben. Die zentrale Spannung des Romans liegt nicht in einem äußeren Konflikt, sondern in der Frage, ob die Gemeinschaft den sicheren Mikrokosmos des Schiffes für das Wagnis einer feindlichen Oberfläche aufgeben soll.

Besonders ist die Erzählweise des Buches. Gloss bildet die Quäker-Praxis der Entscheidungsfindung durch Konsens literarisch nach, indem sie viele Stimmen und Perspektiven nebeneinanderstellt, ohne eine zentrale Heldenfigur in den Vordergrund zu rücken. So wird die soziale Organisation der Gemeinschaft selbst zum eigentlichen Thema. Der Roman gehört damit zu den nachdenklichsten und ungewöhnlichsten Beiträgen zum Motiv des Generationenschiffs, weil er die Frage nach dem Überleben mit Fragen nach Glaube, Gemeinschaft und kollektiver Verantwortung verbindet.

Ihr zweiter dem Genre nahestehender Roman ist 'Wild Life' (2000), der eine zigarrerauchende, feministische Schriftstellerin des frühen zwanzigsten Jahrhunderts auf die Suche nach einem verschollenen Mädchen in die Berge des amerikanischen Nordwestens schickt und dabei das Motiv des wilden Waldmenschen aufgreift. Für dieses Buch erhielt Gloss den James Tiptree Jr. Award, der Werke auszeichnet, die das Verständnis von Geschlechterrollen erweitern. Zu ihren weiteren Ehrungen zählen der Oregon Book Award, der PEN West Fiction Prize und ein Whiting Writers Award, was ihre Stellung sowohl im literarischen als auch im phantastischen Bereich unterstreicht.

Für das Genre steht Gloss für eine Science Fiction, die das Innenleben von Menschen und Gemeinschaften über das technische Spektakel stellt. Ihre Weltraumkolonie ist kein Schauplatz für Schlachten, sondern ein Raum, in dem sich grundlegende Fragen des Zusammenlebens stellen. Damit gehört sie zu den Autorinnen, die gezeigt haben, dass das Generationenschiff genauso ein Ort für leise, zutiefst menschliche Geschichten sein kann wie für große Abenteuer.

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Molly Gloss. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/molly-gloss/ (abgerufen am 07.06.2026).