Offener Sternhaufen
Ein offener Sternhaufen ist ein junger, lockerer Verband aus einigen dutzend bis einigen tausend Sternen, die aus derselben Gaswolke entstanden sind. Die Plejaden sind das berühmteste Beispiel und gelten als Geburtsstätte neuer Sonnen.
Offene Sternhaufen sind lose Ansammlungen von Sternen, die gemeinsam aus einer einzigen riesigen Molekülwolke geboren wurden. Anders als die dichten, kugelförmigen Kugelsternhaufen sind sie unregelmäßig geformt und enthalten meist nur einige dutzend bis einige tausend Sterne. Sie liegen in der Scheibe der Milchstraße, dort, wo auch heute noch aktiv neue Sterne entstehen. Weil ihre Mitglieder aus derselben Wolke stammen, sind sie alle etwa gleich alt und haben eine ähnliche chemische Zusammensetzung, was sie für die Forschung besonders wertvoll macht.
Das bekannteste Beispiel sind die Plejaden, das Siebengestirn, das schon mit bloßem Auge als zartes Sternbüschel am Winterhimmel zu sehen ist. Sie liegen rund 444 Lichtjahre entfernt und enthalten mehr als tausend Sterne, von denen die hellsten heiße, bläuliche Riesen sind. Die Plejaden sind ein junger Haufen, mit einem Alter von etwa hundert Millionen Jahren, was im kosmischen Maßstab fast nichts ist. Andere berühmte offene Haufen sind die Hyaden im Stier und der Doppelsternhaufen h und chi Persei.
Die Jugend offener Sternhaufen ist ihr entscheidendes Merkmal. Während Kugelsternhaufen uralt und metallarm sind, leuchten in offenen Haufen oft noch die hellen, kurzlebigen blauen Sterne, die in massereichen Geburten entstanden. Manche jungen Haufen sind noch in Reste der Gaswolke gehüllt, aus der sie hervorgegangen sind, und werden von diesem Gas zum Leuchten angeregt. Mit der Zeit driften die Sterne eines offenen Haufens jedoch auseinander, weil die gegenseitige Schwerkraft zu schwach ist, um sie dauerhaft zusammenzuhalten. Nach einigen hundert Millionen Jahren löst sich ein solcher Haufen auf, und seine Sterne verteilen sich in der Galaxie. Auch unsere Sonne entstand vermutlich einst in einem offenen Haufen, dessen Geschwistersterne längst zerstreut sind.
Für die Science-Fiction sind offene Sternhaufen vor allem als Geburtsstätten neuer Welten interessant. Eine junge Sonne mit frisch geformten Planeten bietet eine Bühne für Geschichten über die Entstehung von Leben, über Pionierarbeit in einem noch ungeordneten System oder über die Erkundung einer kosmischen Kinderstube. Die Plejaden selbst spielen in Mythologie und Fiktion eine große Rolle, von japanischen Legenden bis zu modernen Romanen, und tauchen häufig als Sehnsuchtsort oder Heimat fremder Völker auf.
Wissenschaftlich sind offene Sternhaufen ein unverzichtbares Werkzeug. Weil alle Mitglieder gleich alt und gleich weit entfernt sind, lassen sich an ihnen die Lebensphasen von Sternen wie an einer Momentaufnahme ablesen. Durch den Vergleich vieler Haufen unterschiedlichen Alters konnten Astronomen die Entwicklung von Sternen rekonstruieren. So verbindet der offene Sternhaufen die romantische Vorstellung einer stellaren Kinderstube mit handfester Erkenntnis über die Lebensläufe der Sonnen.
Verwandte Begriffe