Mysterium

Operation Highjump

1946/47 schickte die US-Marine ihre größte Antarktis-Expedition los. Aus dem realen Unternehmen wurde später eine UFO- und Nazi-Basis-Legende.

U-Boot USS Sennet im Packeis
Sogar ein U-Boot, die USS Sennet, begleitete die Flotte ins antarktische Packeis.1947 · Antarktische Gewässer · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Schiffe der Task Group 68.2
Schiffe der Task Group 68.2 operierten gemeinsam vor der eisigen Küste.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Führungsschiff USS Mount Olympus
Das Führungsschiff USS Mount Olympus diente als Kommandozentrale der zentralen Flottengruppe.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Flugzeugträger USS Philippine Sea mit Transportflugzeugen
Vom Flugzeugträger USS Philippine Sea starteten die schweren R4D-Transporter Richtung Little America IV.8. Januar 1947 · Vor der Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Zwei Douglas-R4D-Flugzeuge im Schnee
Zweimotorige R4D-Maschinen trugen die Luftaufklärung über den Kontinent.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Flugboot Martin PBM Mariner
Ein Flugboot vom Typ Martin PBM Mariner. Eine Maschine dieses Typs, die George 1, verunglückte tödlich.1946/47 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Luftbild der Station Little America IV
Luftbild der Basis Little America IV auf dem Ross-Schelfeis.1947 · Ross-Schelfeis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Schlittenhunde vor einem Marineschiff
Schlittenhunde neben der USS Yancey, die klassische Ergänzung zu den Kettenfahrzeugen.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Kettenfahrzeuge M29 Weasel im Schnee
Kettenfahrzeuge vom Typ M29 Weasel wurden unter realen Polarbedingungen erprobt.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Porträt von Konteradmiral Richard E. Byrd
Konteradmiral Richard E. Byrd, Polarpionier und das Gesicht der Expedition.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy (Wikimedia Commons)
Eisbrecher USCGC Northwind im Packeis
Der Eisbrecher USCGC Northwind brach der Flotte den Weg durchs Packeis.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Coast Guard (Wikimedia Commons)
Großer Eisberg vor zwei Marineschiffen
Ein gewaltiger Eisberg kreuzt den Kurs der Expedition, dahinter zwei Versorgungsschiffe.1947 · Antarktis · Gemeinfrei, U.S. Navy / NARA (Wikimedia Commons)
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Die größte Antarktis-Expedition der Geschichte

Operation Highjump war die bis dahin größte Antarktis-Expedition überhaupt, offiziell das United States Navy Antarctic Developments Program der Jahre 1946 und 1947. Die US-Marine entsandte rund 4.700 Mann, 13 Schiffe und 33 Flugzeuge in den eisigen Süden, dazu Eisbrecher und das U-Boot USS Sennet. Ein Aufgebot dieser Größe hatte der Kontinent noch nie gesehen.

Der offizielle Auftrag war nüchtern: der Aufbau der Forschungsstation Little America IV und die großflächige Kartierung des Kontinents, dazu die Erprobung von Mensch und Material unter extremen Bedingungen. Im Hintergrund stand der beginnende Kalte Krieg. Die junge Nachkriegs-Marine wollte den Einsatz unter polaren Bedingungen üben, die denen einer möglichen arktischen Front ähnelten.

Drei Flottengruppen und ein Flugzeugträger

Die Flotte war in drei Gruppen geteilt. Die zentrale Gruppe um das Führungsschiff USS Mount Olympus steuerte die Ross-See an und errichtete dort Little America IV. Eine östliche und eine westliche Gruppe vermaßen die Küsten von zwei Seiten. Geführt wurde die Flotte von Konteradmiral Richard H. Cruzen, die wissenschaftlichen und fliegerischen Teile leitete der berühmte Polarforscher Konteradmiral Richard E. Byrd.

Eine Besonderheit war der Flugzeugträger USS Philippine Sea. Von seinem Deck starteten sechs zweimotorige Transportflugzeuge vom Typ R4D, schwer beladen und mit Startraketen unterstützt, um die weite Strecke bis Little America IV zu schaffen. An Bord einer dieser Maschinen saß auch Byrd selbst.

Aufklärung aus der Luft

Der eigentliche Wert der Expedition lag in der Luft. Die Flugzeuge fotografierten den Kontinent systematisch und brachten rund 49.000 Luftaufnahmen mit zurück. Damit wurden weite Gebiete erstmals kartiert, ein bis dahin unerreichter Schatz an geografischen Daten.

Die Bedingungen machten das Fliegen lebensgefährlich. Whiteouts, in denen Himmel und Schnee zu einer einzigen weißen Fläche verschmelzen, ließen Piloten jedes Gefühl für Höhe und Horizont verlieren. Genau in einer solchen Lage ereignete sich das Unglück, das die Expedition bis heute prägt.

Die Tragödie der George 1

Am 30. Dezember 1946 verunglückte das Flugboot George 1, eine Martin PBM Mariner, bei einem Erkundungsflug über Thurston Island. In einem Schneesturm rammte die Maschine einen Bergrücken und ging in Flammen auf. Drei Männer starben: Ensign Maxwell Lopez, Wendell Henderson und Frederick Williams.

Sechs Besatzungsmitglieder überlebten und harrten dreizehn Tage im Eis aus, bevor sie gerettet wurden. Der Pilot Ralph LeBlanc verlor beide Beine durch Erfrierungen. Der Absturz war der schwerste Verlust der Expedition und einer der Gründe, warum sie früher endete als geplant.

Little America IV: Ein Stützpunkt im Eis

Herzstück der Operation war Little America IV, ein Lager auf dem Ross-Schelfeis, das an Byrds frühere Stationen anknüpfte. Von hier aus organisierten die Teams ihre Flüge und Messungen. Zelte, Hütten und Landebahnen entstanden mitten in einer der lebensfeindlichsten Gegenden der Erde.

Die Station diente auch als Test, ob sich ein dauerhafter Stützpunkt in der Antarktis überhaupt halten ließe. Die Antwort fiel ernüchternd aus. Die kurze Sommerphase und die harten Bedingungen zeigten, wie schwer ständige Präsenz zu dieser Zeit noch war.

Erprobung von Mensch und Material

Highjump war auch ein riesiges Freilandlabor. Kettenfahrzeuge vom Typ M29 Weasel, Schlittenhunde, Funkgeräte und Kälteschutzkleidung wurden unter realen Polarbedingungen getestet. Was hier versagte, hätte im Ernstfall an einer arktischen Front Menschenleben gekostet.

Die Mischung aus modernem Gerät und klassischen Schlittenhunden zeigt den Übergangscharakter der Zeit. Die Marine vertraute auf Maschinen, verließ sich bei den letzten Metern im Tiefschnee aber weiter auf die bewährten Hunde.

Admiral Byrd, das Gesicht der Expedition

Kein Name ist mit Highjump enger verknüpft als der von Richard E. Byrd. Der Konteradmiral war schon vor dem Krieg als Polarpionier berühmt und hatte 1929 als Erster den Südpol überflogen. Seine Prominenz machte die Expedition zum Medienereignis.

Genau diese Berühmtheit wurde später zum Treibstoff der Legende. Ein Mann, dessen Name jeder kannte, an einem Ort, den kaum jemand betreten hatte, das ist der perfekte Stoff für Spekulationen. Byrd selbst sprach nach der Mission über die strategische Bedeutung der Polargebiete, was bald gründlich missverstanden werden sollte.

Wie aus Highjump eine Legende wurde

Den Grundstein legte ein Zeitungsartikel. Am 5. März 1947 zitierte die chilenische Zeitung El Mercurio Byrd mit der Warnung, die USA müssten sich gegen Angriffe vorbereiten, die mit hoher Geschwindigkeit aus den Polarregionen kommen könnten. Gemeint waren sowjetische Flugzeuge im Kalten Krieg. In der späteren Nacherzählung wurden daraus außerirdische oder nationalsozialistische Flugscheiben.

In den folgenden Jahrzehnten kam ein angebliches geheimes Byrd-Tagebuch hinzu, das von einer warmen Welt im Inneren der Erde berichtete. Eine Quelle dafür gibt es nicht. Verbreitet wurden diese Geschichten unter anderem vom Neonazi-Verleger Ernst Zündel, der sie mit dem Mythos einer überlebenden NS-Basis im sagenhaften Neuschwabenland verband. Belege fehlen bis heute vollständig.

Antarktis in der Science-Fiction

Die Faszination für den weißen Kontinent ist älter als die Verschwörungstheorie. Schon H. P. Lovecraft beschrieb 1931 in 'Berge des Wahnsinns' eine uralte außerirdische Stadt unter dem Eis. John Carpenters 'Das Ding aus einer anderen Welt' lässt in einer Polarstation etwas tödlich Fremdes erwachen.

Operation Highjump liefert solchen Stoffen ihren realen Kern: ein gewaltiges Militäraufgebot an einem abgelegenen Ort, dazu echte Geheimhaltung. Filme wie 'Iron Sky' spielen offen mit der Neuschwabenland-Legende. Damit gehört Highjump zur selben modernen Mythologie wie der Roswell-Zwischenfall und Area 51, in der reale Ereignisse zur Bühne für das Übernatürliche werden.

Häufige Fragen

War Operation Highjump eine geheime Aktion gegen Außerirdische?

Nein. Operation Highjump ist als Forschungs- und Trainingsexpedition der US-Marine gut dokumentiert. Es gibt keinen Beleg für einen Kampf gegen Außerirdische oder eine geheime Basis. Die Mythen entstanden erst Jahrzehnte später.

Was geschah mit dem Flugboot George 1?

Die Martin PBM Mariner George 1 stürzte am 30. Dezember 1946 in einem Schneesturm über Thurston Island ab. Drei Besatzungsmitglieder starben, sechs überlebten und wurden nach dreizehn Tagen gerettet.

Woher stammt die Verschwörungstheorie um Operation Highjump?

Aus einem chilenischen Zeitungsartikel von 1947, in dem eine Byrd-Warnung vor Flugzeugen aus den Polarregionen missverständlich wiedergegeben wurde. Später kamen ein erfundenes Tagebuch und die Verbreitung durch rechtsextreme Kreise hinzu.

Warum endete Operation Highjump nach wenigen Wochen?

Wegen des kurzen antarktischen Sommers, der extremen Bedingungen und des tödlichen Absturzes der George 1. Eine Niederlage gegen überlegene Flugobjekte, wie Verschwörungstheorien behaupten, ist nicht belegt.

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Operation Highjump. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/operation-highjump/ (abgerufen am 17.06.2026).