Phoenix A
Ultramassives Schwarzes Loch im Zentrum des Phönix-Galaxienhaufens, einer der massereichsten bekannten Kandidaten und Quelle eines echten kosmischen Rätsels.
Was ist Phoenix A?
Phoenix A, auch Phoenix A* genannt, ist das ultramassive Schwarze Loch im Zentrum des Phönix-Galaxienhaufens. Der Haufen trägt den Katalognamen SPT-CLJ2344-4243 und liegt rund 5,7 Milliarden Lichtjahre entfernt im Sternbild Phönix. Wir blicken damit in eine ferne, junge Epoche des Universums.
Der Name Phoenix A ist allerdings inoffiziell und stammt aus der populären Astronomie. In der Fachliteratur ist meist vom zentralen Schwarzen Loch des Phönix-Haufens die Rede. Berühmt wurde das Objekt, weil sein Haufen gleich mehrere kosmische Rekorde hält.
Wie massereich ist das Schwarze Loch?
Die Masse ist gewaltig und zugleich unsicher. Gängige Schätzungen liegen bei rund zehn Milliarden Sonnenmassen, einzelne Modelle reichen sogar in den Bereich von hundert Milliarden. Damit gehört Phoenix A zu den massereichsten bekannten Kandidaten, manche bezeichnen es sogar als das größte bekannte Schwarze Loch.
Diese Vorsicht ist angebracht, denn ein Schwarzes Loch sendet kein Licht aus. Seine Masse lässt sich nur indirekt bestimmen, etwa über die Bewegung von Sternen und Gas in seiner Umgebung oder über bekannte Größenbeziehungen. Jede dieser Methoden bringt eine erhebliche Unsicherheit mit. Zum Vergleich: Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße bringt nur rund vier Millionen Sonnenmassen auf die Waage.
Das eigentliche Mysterium: Sterne, wo keine sein sollten
Das wahre Rätsel von Phoenix A betrifft weniger seine Größe als seine Wirkung. Normalerweise arbeitet ein so gewaltiges Schwarzes Loch wie ein Thermostat: Seine Ausbrüche heizen das umgebende Gas auf und verhindern, dass es abkühlt und zu Sternen wird. Die riesigen Galaxien in den Zentren von Haufen bilden deshalb kaum noch neue Sterne.
Der Phönix-Haufen bricht mit dieser Regel. In seinem Zentrum entstehen mehrere hundert Sonnenmassen an neuen Sternen pro Jahr, hunderte Male mehr als in der Milchstraße. Es ist die höchste Sternentstehungsrate, die je im Zentrum eines Galaxienhaufens gemessen wurde. Phoenix A erstickt die Sternengeburt also nicht. Es scheint sie sogar anzufachen.
Der kühlende Strom
Wie kommt es zu diesem Sternenrausch? Der Schlüssel ist ein gewaltiger Kühlstrom. Das heiße Gas im Haufen verliert an bestimmten Stellen seine Energie, kühlt ab und sackt nach innen, wo es zu Sternen kondensiert. 2024 gelang es mit dem James-Webb-Teleskop erstmals, dieses kühlende Gas direkt abzubilden, ein Ergebnis, das in der Fachzeitschrift Nature erschien.
Die Aufnahmen zeigen lange Gasfilamente, die sich über mehr als hunderttausend Lichtjahre erstrecken, länger als die gesamte Milchstraße. Sie ranken sich um riesige Hohlräume im heißen Gas, die von den Teilchenstrahlen des Schwarzen Lochs ausgeblasen wurden.
Ein Schwarzes Loch mit Identitätskrise
Phoenix A verhält sich ungewöhnlich. Es zeigt zugleich Züge eines Quasars, der durch einfallende Materie hell aufleuchtet, und einer Radiogalaxie, die energiereiche Teilchenstrahlen ins All schießt. Etwa die Hälfte seiner Energie gibt das Loch über solche Jets ab, die andere Hälfte über Strahlung aus seiner Akkretionsscheibe.
Astronomen vermuten, dass das Schwarze Loch zwischen diesen beiden Zuständen hin und her wechselt. Spuren früherer Ausbrüche, sichtbar als weiter außen liegende Hohlräume, deuten auf einen der energiereichsten solchen Ausbrüche hin, die je beobachtet wurden.
Warum man Phoenix A nicht fotografieren kann
Ein direktes Bild von Phoenix A gibt es nicht, und es wird so bald keines geben. Das Event Horizon Telescope hat bisher nur zwei Schwarze Löcher abgebildet, das im Zentrum der Milchstraße und das der nahen Galaxie Messier 87. Beide liegen vergleichsweise nah. Phoenix A dagegen ist rund 5,7 Milliarden Lichtjahre entfernt, sein Schatten am Himmel viel zu winzig.
Was von Phoenix A existiert, sind Messungen und Modelle, keine Fotos. Genau diese Mischung aus gewaltiger Masse und fehlendem direkten Bild macht das Objekt zur Projektionsfläche für Superlative, von denen längst nicht alle wissenschaftlich gesichert sind.
Riesen-Schwarze-Löcher in der Science-Fiction
Monströse Schwarze Löcher faszinieren auch das Kino. Das bekannteste Beispiel ist Gargantua aus dem Film Interstellar, dessen Darstellung auf echten physikalischen Berechnungen beruhte und das Bild der leuchtenden Akkretionsscheibe weltweit prägte. Solche fiktiven Giganten zehren von realen Objekten wie Phoenix A.
Für die Science-Fiction sind ultramassive Schwarze Löcher ein perfektes Motiv: ein Ort jenseits aller menschlichen Maßstäbe, an dem Raum und Zeit selbst zur Handlung werden. Mehr über die Physik dahinter steht im großen Eintrag zum Schwarzen Loch.
Häufige Fragen
Ist Phoenix A das größte Schwarze Loch im Universum?
Es ist einer der massereichsten bekannten Kandidaten, mit Schätzungen von rund zehn Milliarden Sonnenmassen aufwärts. Ein gesicherter Rekord ist das aber nicht, denn die Masse ist nur indirekt bestimmt und mit großer Unsicherheit behaftet.
Wie weit ist Phoenix A entfernt?
Der Phönix-Galaxienhaufen liegt rund 5,7 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Phönix. Wir sehen ihn also so, wie er vor etwa 5,7 Milliarden Jahren aussah.
Was ist das Besondere am Phönix-Galaxienhaufen?
Er ist der stärkste bekannte Röntgenstrahler unter allen Galaxienhaufen. In seinem Zentrum entstehen mehr neue Sterne als in jedem anderen bekannten Haufenzentrum, mehrere hundert Sonnenmassen pro Jahr.
Gibt es ein echtes Foto von Phoenix A?
Nein. Direkt abgebildet wurden bisher nur zwei nahe Schwarze Löcher, das der Milchstraße und das von Messier 87. Von Phoenix A existieren Messungen, Modelle und Aufnahmen des umgebenden Galaxienhaufens.
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Phoenix A. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/phoenix-a/ (abgerufen am 17.06.2026).
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