Replaced (2026)
Cyberpunk-Pixel-Art-Action in einer retrofuturistischen Sowjet-Dystopie.
Sad Cat Studios (Weißrussland/Litauen) entwickelt einen 2.5D-Actionplatformer in einem alternativen Sowjetimperium der 1980er-Jahre, in dem Roboter von menschlichen Gehirnen gesteuert werden. Die Prämisse ist düster: Menschen werden als biologische Prozessoren in mechanische Körper eingebaut, eine Metapher für die Entmenschlichung durch totalitäre Systeme.
Der visuelle Stil ist das, was beim ersten Trailer sofort auffiel: Pixel-Art, die mit cinematischen Kamerafahrten, dynamischer Beleuchtung und filmreifen Animationen kombiniert wird. Die Welt sieht aus wie ein sowjetischer Propaganda-Film, der von einem Cyberpunk-Regisseur überarbeitet wurde: brutalistische Architektur, riesige Statuen, und dazwischen Neonreklame und elektronische Überwachung.
Das Gameplay mischt Plattforming, Nahkampf und Schusswechsel in einem retrofuturistischen Setting, das die ästhetische Tradition der sowjetischen Science-Fiction aufgreift. Die Sowjetunion hatte eine reiche SF-Tradition (Strugatsky, Jefremow, Beljajew), und Replaced nutzt diese visuelle Sprache: monumentale Industriearchitektur, Arbeiterhelden-Ästhetik, und darunter die Risse eines Systems, das Menschen als Material behandelt.
Wer die Sowjet-SF-Ästhetik in Buchform sucht, liest Metro 2033 (Glukhovsky), Roadside Picnic (Strugatsky) oder We (Zamyatin, der erste dystopische Roman der Literaturgeschichte).
Sad Cat Studios hat einen thematisch ungewöhnlichen Rahmen gewählt: In ihrer Welt verschmelzen Menschen mit Maschinen nicht freiwillig, wie im klassischen Cyberpunk, sondern durch staatlichen Zwang. Das Gehirn als Prozessor, der in einen mechanischen Körper eingepflanzt wird, ist eine Metapher für die Enteignung des eigenen Körpers durch totalitäre Systeme. Diese Idee greift eine reale philosophische Debatte auf: Was bleibt von Identität, wenn man das eigene Fleisch gegen Metall getauscht hat?
Der retrofuturistische Sowjet-Stil, den Replaced zeigt, hat eine eigene Tradition in der SF. Sowjetische Science-Fiction war in der UdSSR ein stark zensiertes, aber gleichzeitig lebendiges Genre. Arkadi und Boris Strugatzki schrieben unter politischem Druck Meisterwerke wie Stalker und Piknik am Wegesrand, die die Doppeldeutigkeit des sowjetischen Fortschrittsoptimismus hinterfragten. Ivan Jefremow, ein anderer sowjetischer SF-Autor, träumte in Andromeda Nebel (1957) von einer fernen kommunistischen Utopie, die heute seltsam fremd und weit entfernt wirkt.
Für Leser, die mehr über das hinterfragen wollen, was die sowjetische SF-Tradition ausmacht: Stanislaw Lems Summa Technologiae und seine Roman-Essays sind zugänglicher auf Deutsch als vieles aus dem russischen Original. Die Strugatzkis bleiben der beste Einstieg in ein Genre, das zwischen Utopie-Glauben und Systemkritik gefangen war.
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Replaced (2026). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/replaced/ (abgerufen am 17.06.2026).