Persönlichkeit

Samuel R. Delany

Afroamerikanischer SciFi-Autor und Literaturwissenschaftler, der das Genre mit experimenteller Prosa und Themen wie Identität, Sprache und Sexualität revolutionierte.

Samuel R. Delany gehört zu den einflussreichsten und literarisch anspruchsvollsten Autoren der Science-Fiction. Bereits mit 20 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman, und mit Babel-17 (1966) gewann er den Nebula Award für einen Roman, der die Sapir-Whorf-Hypothese in eine kosmische Spionagegeschichte übersetzte: Eine Dichterin entschlüsselt eine außerirdische Sprache, die das Denken ihrer Sprecher fundamental verändert.

Delany war einer der ersten afroamerikanischen SciFi-Autoren, die breite Anerkennung fanden, und seine Werke thematisierten Identität, Rassismus und Sexualität zu einer Zeit, als das Genre diese Themen weitgehend ignorierte. Dhalgren (1975), sein kontroversestes Werk, ist ein über 800 Seiten langer, labyrinthischer Roman über eine mysteriös veränderte amerikanische Stadt, der die Grenzen zwischen Science-Fiction und experimenteller Literatur auflöst. Das Buch polarisierte die SciFi-Community, wurde aber zum Bestseller und hat bis heute nichts von seiner verstörenden Fremdartigkeit verloren.

Die Neveryon-Reihe verbindet Sword-and-Sorcery-Fantasy mit semiotischer Theorie und Reflexionen über Sklaverei und Macht. Stars in My Pocket Like Grains of Sand erforscht eine galaktische Zivilisation, in der Geschlecht und Begehren jenseits menschlicher Kategorien funktionieren. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit ist Delany ein bedeutender Literaturtheoretiker, der in Essays wie The Jewel-Hinged Jaw das Lesen und Schreiben von Science-Fiction analysiert hat. Sein Einfluss reicht weit über das Genre hinaus in die akademische Literaturwissenschaft, die Queer Studies und die poststrukturalistische Theorie.

Insgesamt gewann Delany im Lauf seiner Karriere vier Nebula Awards und zwei Hugo Awards. Nach Babel-17 (Nebula 1966) folgte bereits ein Jahr später The Einstein Intersection (Nebula 1967), ein Roman über außerirdische Wesen, die eine verlassene Erde besiedeln und sich an menschlichen Mythen versuchen, ohne sie wirklich zu verstehen. 2013 ernannte ihn die Science Fiction and Fantasy Writers of America zum 30. SFWA Grand Master, der höchsten Auszeichnung für ein Lebenswerk im Genre. Bereits 2002 war er in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen worden, 2016 folgte die Aufnahme in die New York State Writers Hall of Fame.

Neben seinem Schreiben lehrte Delany jahrzehntelang Literaturwissenschaft und kreatives Schreiben, zunächst elf Jahre an der University of Massachusetts Amherst, dann an der University at Buffalo und ab 2001 als Professor und Leiter des Graduiertenprogramms für kreatives Schreiben an der Temple University in Philadelphia, wo er bis zu seiner Emeritierung Ende 2015 blieb. Seine offene Auseinandersetzung mit seiner Homosexualität und seiner Erfahrung als Schwarzer Autor in einem überwiegend weißen Genre machte ihn zu einer Pionierfigur, lange bevor Diversität in der Science-Fiction zum viel diskutierten Thema wurde.

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Samuel R. Delany. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/samuel-r-delany/ (abgerufen am 12.07.2026).

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