Spiel

Starship Troopers: Extermination

Koop-Shooter nach Robert Heinleins Militär-SF-Klassiker.

Offworld Industries veröffentlichte 2023 Starship Troopers: Extermination, einen kooperativen Ego-Shooter für bis zu sechzehn Spieler, in dem die Mobile Infanterie auf fernen Planeten gegen endlose Wellen insektoider Arachniden kämpft. Gemeinsam errichtete Stellungen, abgestimmtes Feuern und das Gefühl, als Trupp einer übermächtigen Schwarmbedrohung standzuhalten, prägen das Spielerlebnis.

Das Spiel orientiert sich vor allem an Paul Verhoevens Film von 1997, der Robert A. Heinleins Roman von 1959 in eine bissige Satire auf Militarismus und Kriegspropaganda verwandelte. Genau hier wird es spannend, denn Film und Buch sind fast gegensätzliche Werke, die sich an derselben Vorlage reiben.

Heinleins Roman ist ernst gemeint und bis heute umstritten. Er entwirft eine Gesellschaft, in der nur Veteranen volle Bürgerrechte besitzen, und denkt ausführlich über Pflicht, Gewalt und Staatsbürgerschaft nach. Zugleich führte der Roman das einflussreiche Motiv des Powered Suit ein, des kraftverstärkenden Kampfanzugs, der seither in unzähligen Werken der Military-SF auftaucht, in Mechs ebenso wie in modernen Exoskeletten.

Wer den Koop-Shooter mag, sollte Heinleins Original lesen und wird ein völlig anderes, nachdenklicheres Werk entdecken, als der Ballerspaß vermuten lässt. Im Anschluss lohnen Joe Haldemans Der ewige Krieg als kritische Gegenstimme aus der Erfahrung des Vietnamkriegs und John Scalzis Krieg der Klone, das die Tradition der Military-SF modern, zugänglich und mit Humor fortschreibt.

Verhoevens Film von 1997 ist bis heute eine der schärfsten Satiren auf Militarismus im SF-Format. Er nahm Heinleins Prämisse und inszenierte sie mit der Ästhetik eines Propagandafilms: begeisterte Soldaten, strahlende Botschaften, jubelnde Massen, alles leicht zu durchschauen für jeden, der zweimal hinschaut. Verhoeven war Niederländer, der unter deutscher Besatzung aufgewachsen war, und erkannte in Heinleins Gesellschaft etwas, das ihn an Faschismus erinnerte. Das Buch und der Film sind eine Debatte über dasselbe Material.

Das Spiel positioniert sich weder für noch gegen diese Debatte, was es zu einem interessanten Fall macht. Extermination ist funktional ein Enthusiasmus-Simulator für das, was Verhoeven kritisiert. Man tötet Bugs in Massen, man fühlt sich als Teil einer großen Kriegsmaschinerie, man genießt die koordinierte Gewalt. Das Spiel bietet keinen Kommentar dazu, und das ist eine Entscheidung, die man kennen sollte.

Das Powered-Suit-Motiv, das Heinlein 1959 einführte, ist eines der einflussreichsten Designelemente der SF. Jeder Space-Marine-Anzug, jeder Mech, jeder Exoskelett-Krieger in Film, Buch und Spiel trägt Heinleins DNA. Halo, Mass Effect und Warhammer 40K führen die Idee bis heute fort: Die Vorstellung des einzelnen Soldaten in einer Rüstung, die ihn zu einem Ein-Mann-Heer macht, beginnt hier.

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Starship Troopers: Extermination. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/starship-troopers-spiel/ (abgerufen am 17.06.2026).

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