The Invincible (2023)
Exploration-Adventure direkt nach Stanislaw Lems Roman.
Starward Industries adaptierte 2023 mit The Invincible Stanislaw Lems Roman Der Unbesiegbare von 1964 als atmosphärisches Erkundungsspiel aus der Ich-Perspektive. Die Spielerin schlüpft in die Rolle einer Wissenschaftlerin, die auf dem öden, lebensfeindlichen Planeten Regis III strandet und nach ihrer verschollenen Crew sucht, allein mit einer Stimme im Ohr und einer fremden Welt vor sich.
Was sie nach und nach entdeckt, ist Lems berühmte Idee einer mechanischen Evolution. Über Jahrmillionen haben sich winzige, anorganische Maschinen durch eine Art natürliche Auslese zu einem Schwarm entwickelt, der jedes organische Leben verdrängt hat. Es gibt keinen klassischen Gegner und keinen bösen Willen, nur eine fremde, vollkommen gleichgültige Ordnung, die sich menschlichem Verstehen entzieht.
Damit trifft das Spiel Lems zentrales Thema, das auch seinen Klassiker Solaris durchzieht: Echtes außerirdisches Leben könnte so grundlegend anders sein, dass wir es nicht einmal als Leben erkennen, geschweige denn mit ihm kommunizieren. Die Retro-Ästhetik im Stil einer Raumfahrtzukunft der 1960er Jahre unterstreicht die nachdenkliche, fast literarische Stimmung. The Invincible zählt zu den werktreuesten Buchadaptionen, die das Medium Spiel je hervorgebracht hat.
Wer das Spiel mag, liest unbedingt Lems Originalroman Der Unbesiegbare und im Anschluss Solaris, sein großes Werk über die Unmöglichkeit echten Erstkontakts. Auch Peter Watts' Blindsight und die Romane der Brüder Arkadi und Boris Strugatzki führen das Motiv der radikal fremden Intelligenz konsequent weiter und zeigen, wie reich dieses Feld der Science-Fiction ist.
Lems Theorie der technologischen Evolution hat bei seiner Erstveröffentlichung 1964 kaum Widerhall gefunden, weil die Idee nicht in die damaligen KI-Diskussionen passte. Die Forschung der Zeit beschäftigte sich mit Expertensystemen und symbolischer KI, also mit dem Versuch, menschliches Denken zu formalisieren. Lem fragte: Was, wenn sich Intelligenz auf einem Planeten so entwickelt, dass sie gar nicht mehr mit biologischen Kategorien beschreibbar ist? Diese Frage ist heute aktueller als 1964.
Das Spieldesign von Starward Industries verdient Respekt für eine ungewöhnliche Entscheidung: Das Spiel gibt dem Spieler keine Waffe, mit der die Schwarmbedrohung dauerhaft besiegt werden kann. Man kann ausweichen, fliehen, beobachten, aber nicht siegen. Das ist die direkte Übersetzung von Lems Prämisse ins Gameplay. Ein Spiel, das Ohnmacht zu seinem Kernmechanismus macht, braucht Mut, weil Spieler erfahrungsgemäß Kontrolle wollen.
The Invincible passt zu einem Trend, der in den frühen 2020ern sichtbar wurde: Spiele, die auf SF-Literatur zurückgehen, die nicht für Videospiele geschrieben wurde, und die diese Vorlage ernst nehmen. Neben The Invincible (Lem) gehören dazu auch Citizen Sleeper (eigene literarische Vorlage im TTRPG-Stil) und das erwartete Adaption von Kim Stanley Robinsons Terraforming-Universum. Das Modell lautet: kleines Studio, literarische Ambition, kein Blockbuster-Budget.
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The Invincible (2023). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/the-invincible/ (abgerufen am 17.06.2026).
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