Astronomie

Statisches Universum

Ein historisches Modell, in dem das Universum weder expandiert noch kontrahiert, sondern ewig und unveränderlich existiert.

Das statische Universum ist ein kosmologisches Modell, das vor der Entdeckung der kosmischen Expansion die vorherrschende Vorstellung war. Selbst Albert Einstein bevorzugte zunächst ein statisches Universum und führte 1917 die kosmologische Konstante (Lambda, Λ) in seine Feldgleichungen ein, um ein solches Modell mathematisch zu stabilisieren. Die kosmologische Konstante sollte als abstoßende Kraft der Gravitation entgegenwirken und so ein Universum ermöglichen, das sich weder ausdehnt noch zusammenzieht.

Das Problem war, dass dieses Gleichgewicht instabil ist: Die kleinste Störung würde das Universum entweder expandieren oder kollabieren lassen, vergleichbar mit einem Bleistift, der auf seiner Spitze balanciert. Alexander Friedmann zeigte 1922 theoretisch, dass Einsteins Gleichungen natürlicherweise expandierende oder kontrahierende Lösungen ergeben. Und Georges Lemaître leitete 1927 unabhängig ab, dass ein expandierendes Universum die beobachtete Rotverschiebung ferner Galaxien erklären würde.

Den endgültigen Beweis lieferte Edwin Hubble 1929 mit seiner Beobachtung, dass sich fast alle Galaxien von uns entfernen und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind. Einstein soll die kosmologische Konstante später als seinen größten Fehler bezeichnet haben (obwohl dieses Zitat umstritten ist). Ironischerweise kehrte die kosmologische Konstante 1998 zurück: Die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums (Nobelpreis 2011) wird heute durch eine positive kosmologische Konstante oder eine Form von Dunkler Energie erklärt.

Das statische Universum ist in der Wissenschaftsgeschichte ein lehrreiches Beispiel dafür, wie selbst die brillantesten Köpfe sich von Vorurteilen leiten lassen können. In der Science-Fiction spielt es kaum eine Rolle, weil die Expansion des Universums zu den akzeptierten Grundlagen gehört.