Thorium-Reaktor
Kernreaktor, der Thorium statt Uran als Brennstoff nutzt und dabei weniger langlebigen Atommüll und kein waffenfähiges Material erzeugt.
Ein Thorium-Reaktor nutzt das Element Thorium-232 als Brennstoff. Thorium kommt in der Erdkruste drei- bis viermal häufiger vor als Uran und ist gleichmäßiger verteilt. Im Reaktor wird Thorium in spaltbares Uran-233 umgewandelt und liefert dabei Energie.
Die Vorteile gegenüber Uranreaktoren sind erheblich: Der Atommüll bleibt nur einige hundert Jahre gefährlich statt zehntausende, eine Kernschmelze ist physikalisch deutlich schwieriger, und das entstehende Uran-233 ist für Atomwaffen kaum geeignet. Der Hauptgrund, warum sich Thorium in den 1950er Jahren nicht durchsetzte, war genau dieser letzte Punkt: Die USA und die Sowjetunion wollten Reaktoren, die waffenfähiges Plutonium produzieren.
China hat 2024 mit dem TMSR-LF1 in der Wüste Gobi den weltweit ersten experimentellen Thorium-Flüssigsalzreaktor in Betrieb genommen. Indien investiert seit Jahrzehnten in Thorium-Technologie, weil das Land über riesige Thorium-Reserven verfügt. In der Science-Fiction spielen Thorium-Reaktoren selten eine explizite Rolle, aber die Idee eines saubereren, sichereren Kernbrennstoffs taucht in vielen Near-Future-Szenarien auf.
Gerade die Geschichte des Thorium-Reaktors ist lehrreich, weil sie zeigt, wie politische statt technischer Gründe eine vielversprechende Technik ins Abseits drängen können. Dass Thorium kaum waffenfähiges Material liefert, war im Kalten Krieg ein Nachteil und wäre heute, im Zeichen von Klimaschutz und Proliferationssorgen, gerade ein Vorteil. Mit dem chinesischen Versuchsreaktor und den indischen Programmen erlebt die alte Idee daher eine Renaissance. In der Science-Fiction bleibt sie meist im Hintergrund, steht aber sinnbildlich für die Hoffnung auf eine sauberere, sicherere Form der Kernenergie.
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