Kernspaltung
Energiegewinnung durch Spaltung schwerer Atomkerne wie Uran-235, die Grundlage aller heutigen Kernkraftwerke.
Kernspaltung (Fission) ist der Prozess, bei dem ein schwerer Atomkern durch den Beschuss mit einem Neutron in zwei leichtere Kerne zerfällt und dabei Energie freisetzt. Otto Hahn und Lise Meitner entdeckten das Prinzip 1938. Innerhalb von sieben Jahren führte es zur Atombombe (Manhattan-Projekt, 1945) und innerhalb von 16 Jahren zum ersten Kernkraftwerk (Obninsk, Sowjetunion, 1954).
Heute liefern rund 440 Kernkraftwerke in 32 Ländern etwa 10 Prozent des globalen Stroms. Frankreich erzeugt über 70 Prozent seines Stroms aus Kernenergie, Deutschland hat seine letzten drei Reaktoren im April 2023 abgeschaltet. Die Debatte um Kernenergie hat sich durch den Klimawandel verschoben: Auch Umweltschützer erkennen zunehmend an, dass CO2-freie Kernkraft Teil der Lösung sein könnte.
Die Science-Fiction hat Kernspaltung von Anfang an begleitet. H.G. Wells beschrieb in The World Set Free (1914) Atombomben, zwei Jahrzehnte vor der Entdeckung der Fission. Nevil Shutes On the Beach (1957) schildert die Menschheit nach einem Atomkrieg. Die Godzilla-Filme verarbeiten Japans Atombomben-Trauma. Und das Tschernobyl-Unglück (1986) hat eine eigene literarische Tradition hervorgebracht, von Swetlana Alexijewitschs Tschernobyl-Chronik bis zu Andrej Kurkows Graue Bienen.
Gerade die Kernspaltung verkörpert wie kaum eine andere Technik die Ambivalenz des Fortschritts. In wenigen Jahren führte dieselbe Entdeckung zur Atombombe und zum Kraftwerk, zu beispielloser Zerstörungskraft und zu einer nahezu CO2-freien Energiequelle. Die Science-Fiction hat diese Doppelnatur von Anfang an begleitet, von Wells' literarischer Vorwegnahme der Atombombe bis zu den Katastrophen-Szenarien des Kalten Krieges. Im Zeichen des Klimawandels verschiebt sich die reale Debatte erneut, denn ausgerechnet die alte Risikotechnologie gilt nun manchen als Teil der Lösung.
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