Weltraummilitarisierung
Die zunehmende militärische Nutzung des Weltraums, von Spionagesatelliten bis zu Anti-Satellitenwaffen. Der Weltraum wird zum vierten Kriegsschauplatz.
Weltraummilitarisierung beschreibt die wachsende Nutzung des Weltraums für militärische Zwecke: Aufklärung, Kommunikation, Navigation, Frühwarnung und zunehmend auch offensive Fähigkeiten wie Anti-Satellitenwaffen und Weltraumüberwachung. Der Weltraum gilt inzwischen neben Land, See, Luft und Cyberraum als eigenständiger Operationsbereich (Warfighting Domain).
Die militärische Nutzung des Weltraums begann im Kalten Krieg mit den ersten Spionagesatelliten. Das amerikanische CORONA-Programm (1959 bis 1972) lieferte Aufklärungsfotos aus dem Orbit, die filmreif waren: Die Kapseln mit dem belichteten Film wurden beim Wiedereintritt in die Atmosphäre von Flugzeugen mit Schleppnetzen aufgefangen. Heute betreiben die USA, China und Russland hunderte militärischer Satelliten für Kommunikation, Navigation (GPS, BeiDou, GLONASS), elektronische Aufklärung und Raketenfrühwarnung.
Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet Massenvernichtungswaffen im Orbit, lässt aber konventionelle Waffen und die allgemeine militärische Nutzung unreguliert. Diese Lücke wird zunehmend ausgenutzt. ASAT-Tests von China (2007) und Russland (2021) demonstrierten die Fähigkeit, feindliche Satelliten zu zerstören. Russlands Satellit Kosmos 2542 näherte sich 2020 einem amerikanischen Aufklärungssatelliten auf wenige Kilometer, was als orbitale Spionage interpretiert wurde.
Die Gründung der US Space Force (2019), des französischen Commandement de l'Espace und der chinesischen Aerospace Force markiert den Übergang von der verdeckten zur offenen Militarisierung. Die Gefahr: Ein Wettrüsten im Weltraum könnte die Kessler-Kaskade auslösen und den Erdorbit für alle unbenutzbar machen.
In der Science-Fiction ist die Militarisierung des Weltraums ein zentrales Thema. Gundam zeigt orbitale Kolonien als Kriegsschauplatz. The Expanse beschreibt einen Weltraum, in dem Erd-, Mars- und Gürtelflotten einander belauern. In Enders Game wird ein Kind zum Oberbefehlshaber einer Weltraumflotte ausgebildet. Die Realität nähert sich der Fiktion schneller, als den meisten Beobachtern bewusst ist.
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