Waffe

Anti-Satellitenwaffe

Waffen, die feindliche Satelliten im Orbit zerstören oder funktionsunfähig machen. Jeder Test erzeugt Trümmerwolken, die jahrzehntelang andere Raumfahrzeuge gefährden.

Anti-Satellitenwaffe
Visualisierung der Weltraumtrümmer im niedrigen Erdorbit (LEO). Etwa 95 % der dargestellten Objekte sind Weltraummüll. Credit: NASA ODPO

Anti-Satellitenwaffen (ASAT) sind Waffensysteme, die dazu dienen, Satelliten im Erdorbit zu zerstören, zu beschädigen oder funktionsunfähig zu machen. In einer Welt, deren militärische Kommunikation, Navigation (GPS), Aufklärung und Frühwarnung von Satelliten abhängt, sind ASATs strategische Waffen erster Ordnung.

Die Geschichte beginnt im Kalten Krieg. Die Sowjetunion testete ab 1963 das Istrebitel-Sputnikow-System, bei dem ein Killer-Satellit an sein Ziel heranmanövrierte und explodierte. Die USA antworteten 1985 mit dem ASM-135 ASAT, einer Rakete, die von einem F-15-Kampfjet aus gestartet wurde und den Satelliten Solwind P78-1 in 525 km Höhe zerstörte.

China schockte die Weltraumgemeinschaft am 11. Januar 2007, als es den eigenen Wettersatelliten Fengyun-1C mit einer kinetischen Abfangrakete zerstörte. Der Test erzeugte über 3.400 nachverfolgbare Trümmerteile und Hunderttausende nicht nachverfolgbare Fragmente, die seitdem eine permanente Gefahr für andere Satelliten darstellen. Russland wiederholte das Muster am 15. November 2021 mit der Zerstörung des eigenen Satelliten Cosmos 1408, was mindestens 1.500 Trümmerfragmente erzeugte und die Besatzung der ISS zwang, in ihren Rückkehrkapseln Schutz zu suchen.

Neben kinetischen ASAT-Systemen existieren auch nicht-kinetische Ansätze: Laser, die Sensoren blenden oder Solarpanele beschädigen, Cyberangriffe auf Bodenstationen, elektronische Störsender (Jamming und Spoofing) und Co-Orbital-Manöver, bei denen ein Satellit einem anderen gefährlich nahe kommt, um ihn zu inspizieren oder zu manipulieren.

Die Trümmerproblematik macht ASAT-Tests besonders verheerend. Im niedrigen Erdorbit bleiben Fragmente jahrzehntelang in der Umlaufbahn. Jedes zerstörte Objekt erzeugt Tausende neue Geschosse, die mit 28.000 km/h um die Erde rasen. Ein einziges Gramm Trümmer hat bei dieser Geschwindigkeit die Einschlagsenergie einer Handgranate. Die Kessler-Kaskade, bei der Kollisionen exponentiell mehr Trümmer erzeugen, wird durch ASAT-Tests beschleunigt.