A Desolation Called Peace
Arkady Martines A Desolation Called Peace setzt A Memory Called Empire fort und verbindet Teixcalaan-Politik mit einem radikalen Erstkontaktkrieg.
Arkady Martines 'A Desolation Called Peace' erschien 2021 und gewann 2022 den Hugo Award. Der Roman ist die Fortsetzung von 'A Memory Called Empire' und führt Mahit Dzmare sowie Three Seagrass in einen neuen Konflikt. Das Teixcalaan-Imperium steht an seiner Grenze einer unbekannten außerirdischen Macht gegenüber, deren Kommunikation, Körperlichkeit und Kriegslogik nicht in die imperialen Kategorien passen.
Während der erste Band Diplomatie, Erinnerungstechnologie und kulturelle Verführung im Herzen des Imperiums behandelte, verlagert der zweite Band das Zentrum an die Front. Nine Hibiscus kommandiert eine Flotte, die militärisch reagieren muss, ohne den Gegner wirklich zu verstehen. Mahit und Three Seagrass werden als mögliche Vermittlerinnen hineingezogen. Sprache ist erneut entscheidend, aber diesmal geht es nicht nur um Übersetzung zwischen Menschen, sondern um Bedeutungsfindung gegenüber radikal Fremdem.
Die unbekannten Aliens arbeiten mit kollektiv wirkenden Strukturen, biologischen Zeichen und Gewaltformen, die zunächst wie Unmenschlichkeit erscheinen. Martine interessiert sich für den Moment, in dem ein Imperium versucht, Fremdheit in seine Verwaltungs- und Eroberungssprache zu pressen. Teixcalaan ist ästhetisch glänzend und brutal zugleich: Poesie, Protokoll und Expansion gehören zusammen.
Der Roman ist starke moderne Space Opera, weil er Krieg, Identität und Linguistik engführt. Der Titel spielt auf Tacitus an: Frieden kann als Name für Verwüstung dienen. 'A Desolation Called Peace' nimmt diese politische Bitterkeit ernst. Erstkontakt wird hier nicht zur freundlichen Entdeckung, sondern zum Test, ob Sprache noch möglich ist, wenn Angst, Imperium und biologische Fremdheit gleichzeitig handeln.
Besonders stark ist die Fortsetzung auch durch Eight Antidote, den jungen Thronfolger, dessen Perspektive imperiale Erziehung, Machttraining und kindliche Verletzlichkeit verbindet. Dadurch entsteht ein zweiter Blick auf Teixcalaan: nicht nur als äußere Machtmaschine, sondern als Kultur, die ihre eigenen Kinder zu Symbolträgern formt.
Auch Mahits Imago-Technologie bleibt wichtig. Erinnerung wird bei Martine nicht neutral gespeichert, sondern politisch gefährdet, kulturell gefärbt und persönlich instabil. Der Erstkontakt spiegelt diese innere Spannung: Wie eine Person aus mehreren Erinnerungsschichten besteht, besteht auch ein Imperium aus Übersetzungen, Zitaten und Gewalt, die es als Kultur ausgibt.
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A Desolation Called Peace. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/a-desolation-called-peace/ (abgerufen am 07.06.2026).
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