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A Psalm for the Wild-Built

Becky Chambers' Solarpunk-Novelle (2021): Ein Teemoench trifft auf einen Roboter aus der Wildnis. Hugo Award 2022.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus A Psalm for the Wild-Built.

Becky Chambers veröffentlichte 2021 den ersten Band der Monk-und-Robot-Duologie und schuf damit einen der prägenden Solarpunk-Texte der Gegenwart. Auf dem Mond Panga haben Roboter vor Generationen Bewusstsein erlangt und sich in die Wildnis zurückgezogen. Die Menschen haben seitdem eine nachhaltige, postindustrielle Gesellschaft aufgebaut.

Dex, ein nichtbinärer Teemönch, bricht aus der Routine aus und wandert in die Wildnis. Dort trifft Dex auf Mosscap, einen Roboter, der im Auftrag der anderen Roboter eine Frage stellen will: Was brauchen die Menschen? Der Roman verweigert sich Konflikten, Schauplatzschlachten und Überlebenskämpfen. Stattdessen geht es um Sinnsuche, das Recht auf Unzufriedenheit trotz guter Lebensbedingungen und die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Die Novelle gewann 2022 den Hugo Award. Die Fortsetzung A Prayer for the Crown-Shy erschien im selben Jahr. Chambers' Ansatz steht im bewussten Gegensatz zur Dystopie-Tradition: Sie zeigt, dass Geschichten über funktionierende Gesellschaften genauso fesselnd sein können wie solche über den Zusammenbruch.

Der Solarpunk als Genre ist eine bewusste Reaktion auf die Dominanz des Dystopischen in der SF. Statt zu zeigen, wie die Zivilisation scheitert, stellt Solarpunk die Frage: Wie könnte eine funktionierende, gerechte und ökologisch nachhaltige Gesellschaft aussehen? Chambers' Panga ist ein solcher Versuch: Nach einer industriellen Krise hat die Menschheit eine andere Richtung eingeschlagen. Die Entscheidung, das Wachstum zu begrenzen, war kollektiv und freiwillig.

Mosscap, der Roboter, ist keine bedrohliche KI und kein Diener. Er ist eine eigenständige Entität, die neugierig auf Menschen ist und keine Agenda mitbringt. Sein Staunen über menschliche Alltagsrituale, wie das Aufbrühen von Tee, gibt dem Roman eine Leichtigkeit, die täuscht: Die philosophischen Fragen darunter (Was brauchen Menschen wirklich? Was bedeutet es, genug zu haben?) sind fundamental ernst.

Chambers' Wayfarers-Universum, in dem andere Bücher spielen, hat eine ähnliche Grundhaltung. A Long Way to a Small Angry Planet und A Closed and Common Orbit zeigen Welten, in denen die Konflikte meist zwischenmenschlich sind und die Gesellschaft nicht vor dem Zusammenbruch steht. Das ist eine eigenständige erzählerische Entscheidung mit Konsequenzen: Wer keine Apokalypse als Motor hat, muss Spannung anders erzeugen, durch Figuren, Beziehungen, Selbsterkenntnis.

Diesen Eintrag zitieren

A Psalm for the Wild-Built. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/a-psalm-for-the-wild-built/ (abgerufen am 04.06.2026).