Adam Roberts
Britischer SciFi-Autor und Literaturprofessor (*1965), dessen Romane intellektuelle Ambition mit experimentellem Erzählen verbinden.
Adam Roberts (*1965) vereint zwei Karrieren: Er ist Professor of Nineteenth-Century Literature an der Royal Holloway, University of London, und gleichzeitig einer der produktivsten und ambitioniertesten Science-Fiction-Autoren Großbritanniens.
Sein Debüt Salt (2000) erzählt von zwei ideologisch gegensätzlichen Kolonien auf einem Wüstenplaneten und wurde für den Arthur C. Clarke Award nominiert. The Snow (2004) beschreibt eine Welt, die unter Metern von Schnee begraben wird. Gradisil (2007), ebenfalls Clarke-nominiert, entwirft eine libertäre Gesellschaft in Orbitalhabitaten, die sich von der Erde unabhängig macht. Yellow Blue Tibia (2010) spielt in der Sowjetunion und handelt von einem SciFi-Autor, dessen erfundene Alien-Invasion real zu werden scheint.
Den größten Erfolg erzielte Roberts mit Jack Glass (2012), einem Roman, der drei klassische Krimi-Formen in einem Science-Fiction-Setting vereint. Das Buch gewann sowohl den BSFA Award als auch den John W. Campbell Memorial Award. The Thing Itself (2015) verbindet Kants Philosophie des Dings an sich mit einer Antarktis-Horror-Geschichte und Zeitreise-Elementen.
Neben seinen Romanen hat Roberts mit The History of Science Fiction ein Standardwerk der SciFi-Literaturgeschichte geschrieben. Seine akademische Perspektive durchdringt seine Fiktion: Roberts spielt bewusst mit Genre-Konventionen, untergräbt Lesererwartungen und baut philosophische Fragen in die Struktur seiner Erzählungen ein. Er wurde dreimal für den Arthur C. Clarke Award nominiert und gilt als einer der intellektuell anregendsten Autoren der britischen Science-Fiction.
Roberts' akademische Tätigkeit durchdringt seine Fiktion auf mehreren Ebenen. Als Spezialist für viktorianische Literatur bringt er ein Gespür für Erzähltradition mit, das er systematisch unterläuft. In Yellow Blue Tibia verbindet er eine Geschichte über sowjetische SciFi-Autoren mit japanischem Kaijou-Horror und scientologischen Zügen, eine Kombination, die absurd klingt und tatsächlich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Glauben, Fiktion und politischen Systemen ist. In By Light Alone setzt er die Prämisse, dass Menschen durch Photosynthese in der Haut überleben könnten, als Ausgangspunkt für eine tiefe Klassen-Satire: Wer nicht essen muss, dem kann man Essen als Statusmerkmal verkaufen.
Roberts publiziert unter dem Pseudonym A.R.R.R. Roberts auch Parodien, darunter The Sellamillion (eine Tolkien-Parodie) und The Soddit. Diese Seite seines Werks ist weniger bekannt, aber sie zeigt, dass seine Intellektualität keine Last ist, die er trägt, sondern eine Quelle echten Vergnügens. Sein Buch Pstopia und andere Kurzgeschichten belegen, dass er zu den wenigen SF-Autoren gehört, die auf hohem Niveau über ihr eigenes Genre nachdenken und gleichzeitig darin arbeiten.
Aus dem Forum
Diskutiere diesen Begriff mit Lesern und Autoren im BuchKnall-Forum.
Im Forum diskutierenDiesen Eintrag zitieren
Adam Roberts. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/adam-roberts/ (abgerufen am 06.06.2026).
Verwandte Begriffe