All Systems Red (Murderbot Diaries)
Martha Wells' Novelle (2017) um einen gehackten Sicherheitsroboter, der lieber Serien schaut als Menschen zu beschützen, gewann den Hugo, Nebula und Locus Award und startete eine der beliebtesten SF-Reihen der letzten Jahre.
Martha Wells veröffentlichte All Systems Red 2017 bei Tor.com Publishing als Novelle von etwa 150 Seiten, und das Buch schlug sofort ein. Der Ich-Erzähler ist ein SecUnit, ein teilorganischer Sicherheitscyborg, der von der Firma GrayCris an Forschungsteams vermietet wird. Dieses SecUnit hat sein eigenes Steuerungsmodul gehackt und könnte theoretisch tun, was es will. Was es will: Serien schauen und in Ruhe gelassen werden.
Der Reiz der Erzählung liegt in der Stimme. Murderbot (wie der Protagonist sich selbst nennt, ohne den Grund je zu erklären) ist sozial unbeholfen, sarkastisch, und leidet unter massiver sozialer Angst. Es hasst Augenkontakt, findet Smalltalk unerträglich und weicht Dankbarkeit aus. Gleichzeitig ist es extrem kompetent in seinem Job: Wenn das Forschungsteam in Gefahr gerät, reagiert Murderbot blitzschnell und mit tödlicher Effizienz. Die Kluft zwischen der inneren Unsicherheit und der äußeren Kompetenz erzeugt sowohl Humor als auch emotionale Tiefe.
Die Handlung von All Systems Red ist auf den ersten Blick einfach: Ein Forschungsteam auf einem fremden Planeten entdeckt, dass jemand ihre Ausrüstung sabotiert hat und ein benachbartes Team verschwunden ist. Murderbot muss die Gruppe beschützen, ohne dass sie erfahren, dass es sein Steuerungsmodul gehackt hat. Unter der Oberfläche verhandelt der Text aber Themen wie Autonomie, Sklaverei, Identität und die Frage, was es bedeutet, eine Person zu sein.
Wells schrieb fünf weitere Murderbot-Bücher: Artificial Condition, Rogue Protocol, Exit Strategy (alle 2018, Novellen), Network Effect (2020, Roman, Hugo-Gewinner) und Fugitive Telemetry (2021, Novelle). System Collapse folgte 2023. Die Reihe entwickelt sich von der Selbstfindung eines befreiten Sklaven zur Auseinandersetzung mit korporativer Macht, kolonialer Ausbeutung und der Frage, welche Rechte nicht-menschliche Intelligenzen haben.
All Systems Red gewann 2018 den Hugo Award, den Nebula Award, den Locus Award und den Alex Award. Die Reihe ist eines der erfolgreichsten Science-Fiction-Debüts der 2010er Jahre und hat eine leidenschaftliche Fangemeinde, die sich besonders mit Murderbots sozialer Angst und seiner Vorliebe für fiktive Serien identifiziert.
Die Murderbot Diaries stehen in der Tradition von Ich-Erzählungen durch nicht-menschliche Protagonisten: Ann Leckies Imperial Radch-Trilogie (KI als Erzählerin), Becky Chambers' Monk-and-Robot-Bücher (sanfte Roboter-Mensch-Beziehung) und John Scalzis Lock In (Bewusstsein in fremden Körpern). Wells' Beitrag ist die Kombination aus Action, Humor und emotionaler Verletzlichkeit, die Murderbot zu einem der einprägsamsten SF-Charaktere der letzten Dekade macht.
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All Systems Red (Murderbot Diaries). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/all-systems-red/ (abgerufen am 05.06.2026).
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