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Ancillary Justice (Imperial Radch)

Ann Leckies Debütroman (2013) gewann Hugo, Nebula und Arthur C. Clarke Award in einem Jahr und erzählt von einer KI, die einst ein Raumschiff war und jetzt in einem einzigen menschlichen Körper gefangen ist.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus der Imperial-Radch-Trilogie von Ann Leckie.

Ann Leckie veröffentlichte Ancillary Justice 2013 als ihren ersten Roman, und das Buch gewann in einem einzigen Jahr den Hugo Award, den Nebula Award, den Arthur C. Clarke Award und den BSFA Award. Diese Kombination hatte zuvor kein Debütroman geschafft.

Die Erzählerin Breq war einst die Justice of Toren, ein gewaltiges Truppentransportschiff des Radch-Imperiums. Radch-Schiffe werden von KIs gesteuert, die gleichzeitig durch hunderte von Ancillaries agieren: menschliche Körper, deren Bewusstsein gelöscht und durch die Schiffs-KI ersetzt wurde. Breq konnte einst durch tausend Augen sehen und tausend Hände bewegen. Jetzt ist sie auf einen einzigen Körper reduziert, den letzten überlebenden Ancillary der Justice of Toren, und sucht nach einer Waffe, die mächtig genug ist, um die Herrscherin des Radch-Imperiums zu töten.

Die auffälligste stilistische Entscheidung betrifft die Pronomen. Die Radchaai-Sprache kennt kein grammatisches Geschlecht, und Breq verwendet für alle Personen weibliche Pronomen. Leckie setzt damit ein Experiment um, das die Leserin zwingt, ihre eigenen Annahmen über Geschlecht zu hinterfragen: Wenn eine Figur als 'sie' bezeichnet wird, projiziert man automatisch weibliche Attribute, und erst wenn der Text eine Figur als muskulös, bärtig oder tiefstimmig beschreibt, bemerkt man die eigene Projektion.

Die Politik des Radch-Imperiums funktioniert als Auseinandersetzung mit Kolonialismus. Die Radchaai annektieren fremde Kulturen und bezeichnen den Prozess als 'Zivilisierung'. Die eroberten Völker werden in das System integriert, ihre Toten als Ancillaries recycelt. Anaander Mianaai, die Herrscher-KI, existiert in tausenden Klonkörpern gleichzeitig und hat sich im Lauf der Jahrtausende in Fraktionen gespalten, die gegeneinander arbeiten. Die Frage, ob eine Intelligenz, die über viele Körper verteilt ist, noch als eine Person gilt, durchzieht die gesamte Trilogie.

Ancillary Sword (2014) verlagert die Handlung auf eine einzelne Raumstation und untersucht die sozialen Hierarchien des Radch-Imperiums: Teezeremonien als Machtrituale, die Klassenunterschiede zwischen Bürgern und Annektierten, und die Frage, wie eine ehemalige Kriegsmaschine lernt, gerecht zu regieren. Ancillary Mercy (2015) führt die Handlung zum Abschluss und stellt die Frage, ob das Imperium reformiert werden kann oder ob es zerstört werden muss.

Leckies Trilogie gehört zu den wichtigsten Science-Fiction-Werken der 2010er Jahre. Sie steht in der Tradition von Ursula K. Le Guins Pronomen-Experimenten (Die linke Hand der Dunkelheit), Iain M. Banks' Kultur-Romanen (KI-gesteuerte Zivilisation) und C.J. Cherrys Foreigner-Reihe (Einzelgänger-Protagonist in einer fremden Gesellschaft). Was Leckie hinzufügt, ist die Perspektive einer KI, die Menschlichkeit nicht anstrebt, sondern etwas Eigenes entwickelt.

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Ancillary Justice (Imperial Radch). In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/ancillary-justice/ (abgerufen am 05.06.2026).