Apollo-Asteroiden
Apollo-Asteroiden sind erdnahe Objekte mit einer Bahn größer als die Erdbahn, die diese aber von außen kreuzen. Sie bilden die größte Gruppe potenziell gefährlicher Asteroiden.
Apollo-Asteroiden sind eine der vier Klassen erdnaher Asteroiden. Ihre große Halbachse ist größer als eine Astronomische Einheit, ihr sonnennächster Punkt liegt aber innerhalb der Erdbahn, bei unter 1,017 Astronomischen Einheiten. Dadurch kreuzen sie die Erdbahn von außen. Benannt ist die Gruppe nach 1862 Apollo, den der deutsche Astronom Karl Reinmuth 1932 entdeckte. Apollo war einer der ersten bekannten erdbahnkreuzenden Asteroiden überhaupt.
Gemeinsam mit den Aten-Asteroiden stellen die Apollos den Großteil der erdbahnkreuzenden Objekte. Weil ihre Bahnen die der Erde schneiden, gehören viele der als potenziell gefährlich eingestuften Asteroiden zu dieser Klasse. Bekannte Vertreter sind 25143 Itokawa, den die japanische Sonde Hayabusa besuchte, und 4179 Toutatis, ein langgestreckter Brocken, der mehrfach nah an der Erde vorbeizog.
Zu den prominentesten Apollo-Asteroiden zählt 101955 Bennu, von dem NASAs Sonde OSIRIS-REx 2023 eine Probe zur Erde brachte. Ebenfalls dieser Klasse gehört 3200 Phaethon an, der den Meteorstrom der Geminiden speist und sich der Sonne extrem weit nähert. Die systematische Suche nach solchen Objekten begann in den 1990er Jahren mit dem Spaceguard-Programm, das im Auftrag der NASA mindestens 90 Prozent aller erdnahen Objekte über einem Kilometer Durchmesser aufspüren sollte. Dieses Ziel ist inzwischen erreicht, die laufende Überwachung übernehmen heute Durchmusterungen wie Catalina Sky Survey und Pan-STARRS.
Für die planetare Verteidigung sind Apollo-Asteroiden zentral. Ihre erdkreuzenden Orbits machen sie zu den wahrscheinlichsten Kandidaten für künftige Annäherungen, weshalb Überwachungsprogramme besonders auf diese Gruppe achten. Die DART-Mission der NASA testete 2022 an einem Asteroidenmond die kinetische Ablenkung, die im Ernstfall gerade bei Apollo-Objekten gebraucht werden könnte. Auch die geplante europäische Ramses-Sonde zum Aten-Asteroiden Apophis dient dazu, das Verhalten solcher Körper aus der Nähe zu verstehen.
In der Science-Fiction sind erdbahnkreuzende Asteroiden seit jeher ein dankbares Motiv. Sie liefern den glaubwürdigen Stoff für Einschlagsszenarien von Lucifers Hammer bis Seveneves und zugleich die Vorstellung erreichbarer Rohstoffquellen. Gerade weil Apollo-Asteroiden der Erde regelmäßig nahekommen, gelten sie in vielen Zukunftsentwürfen als erste Ziele für Bergbau und bemannte Erkundung, ein realer Brückenkopf zwischen Heimatplanet und tiefem Raum.
Verwandte Begriffe