Augmented Reality
Technologie, die digitale Informationen in die physische Umgebung einblendet und so die wahrgenommene Realität erweitert.
Augmented Reality (AR) überlagert die reale Welt mit digitalen Inhalten: Navigationshinweise auf der Windschutzscheibe, technische Daten über einer Maschine, virtuelle Möbel im eigenen Wohnzimmer. Anders als Virtual Reality ersetzt AR die Umgebung nicht, sondern ergänzt sie.
Die Technologie hat 2023 und 2024 durch Apples Vision Pro und Metas Orion-Brille den Sprung vom industriellen Werkzeug zum Konsumentenprodukt geschafft. Chirurgen nutzen AR-Brillen, um CT-Daten während Operationen direkt über den Patienten zu projizieren. Militärs setzen das IVAS-System (Integrated Visual Augmentation System) ein, das Soldaten Freund-Feind-Markierungen und taktische Informationen ins Sichtfeld blendet.
In der Science-Fiction ist AR allgegenwärtig. William Gibsons Sprawl-Trilogie beschreibt Datenbrillen, die Informationsschichten über die Realität legen. Vernor Vinges Rainbows End (2006) zeigt eine Welt, in der AR so selbstverständlich ist wie heute Smartphones, wobei verschiedene Menschen dieselbe physische Umgebung durch unterschiedliche digitale Filter wahrnehmen. Daniel Suarez' Daemon (2006) und Freedom (2010) beschreiben ein AR-Overlay namens Darknet, das eine alternative Gesellschaftsordnung visuell über die bestehende Welt projiziert.
Das Interessante an AR als SF-Motiv ist die gesellschaftliche Fragmentierung, die sie ermöglicht. Wenn verschiedene Menschen dieselbe physische Umgebung mit verschiedenen digitalen Overlays sehen, entsteht kein gemeinsamer Wahrnehmungsraum mehr. Vernor Vinge hat dieses Konzept in Rainbows End (2006) besonders konsequent durchgespielt: In seiner Welt sehen Anhänger verschiedener Weltanschauungen buchstäblich verschiedene Versionen derselben Stadt. Das ist nicht nur eine technische Spielerei, sondern eine politische Prognose: AR als Werkzeug der Echokammer.
Real ist AR heute vor allem ein industrielles Werkzeug. Chirurgen, Ingenieure und Monteure nutzen AR-Systeme, die Anleitungen und Messwerte ins Sichtfeld blenden, ohne den Blick von der eigentlichen Arbeit abzuwenden. Der Konsumentenmarkt hinkt nach, weil komfortable Brillen mit ausreichender Akku-Laufzeit und angemessenem Preis schwer herzustellen sind. Apple und Meta haben 2023 und 2024 neue Massstäbe gesetzt, aber die Vision des AR als unsichtbares Interface, das im Alltag stets präsent ist, liegt noch Jahre entfernt.
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