Barsoom
Edgar Rice Burroughs' Version des Mars: eine sterbende Welt voller Schwertkrieger, fliegender Schiffe und roter Wüsten, die 1912 die planetare Abenteuer-SF begründete.
Im Februar 1912 begann die Zeitschrift The All-Story mit dem Abdruck einer Geschichte, die das Genre der Science Fiction für Jahrzehnte prägen sollte. Under the Moons of Mars, geschrieben von Edgar Rice Burroughs (der im selben Jahr auch Tarzan of the Apes veröffentlichte), erzählt von John Carter, einem Bürgerkriegsveteranen, der auf rätselhafte Weise auf den Mars transportiert wird. Dort entdeckt er eine uralte Zivilisation auf einer sterbenden Welt, die ihre Bewohner Barsoom nennen.
Die Barsoom-Romane (elf Bände von 1912 bis 1964, der letzte posthum erschienen) schufen eine Welt, die wissenschaftlich nie auch nur ansatzweise korrekt war, aber eine ungeheure imaginative Kraft entwickelte. Burroughs' Mars hat eine atembare Atmosphäre (dünn, aber ausreichend), rote Wüsten, ausgetrocknete Meere und uralte Kanäle, die das schwindende Wasser verteilen. Die Bewohner sind verschiedene Spezies: die grünen Tharks (vierarmige Krieger von enormer Grösse), die roten Marsianer (menschenähnlich und kulturell hochentwickelt), die weissen, gelben und schwarzen Marsrassen mit jeweils eigenen Zivilisationen.
John Carter profitiert auf dem Mars von der geringeren Schwerkraft: Er kann enorme Sprünge machen und ist stärker als jeder Marsianer. Die Bücher kombinieren Schwertkämpfe, Luftschiffschlachten und Liebesgeschichte (Carter heiratet die marsianische Prinzessin Dejah Thoris) mit einer exotischen Planetenlandschaft.
Barsoom war der Prototyp für das Subgenre der Planetary Romance, auch Sword and Planet genannt: Abenteuergeschichten auf fremden Welten, in denen es mehr um Schwertkunst und exotische Kulturen geht als um wissenschaftliche Plausibilität. Die Tradition reicht von Burroughs über Leigh Brackett (die in den 1940ern eigene Mars-Geschichten schrieb) bis zu den frühen Werken von Ray Bradbury, dessen Marschroniken (1950) einen poetischeren, aber ähnlich unwissenschaftlichen Mars zeichnen.
Der Einfluss von Barsoom auf die Science Fiction ist kaum zu überschätzen. Carl Sagan nannte die Barsoom-Romane als einen seiner wichtigsten Kindheitseinflüsse, der ihn zur Astronomie brachte. George Lucas hat die visuelle Ästhetik von Star Wars teilweise auf Burroughs zurückgeführt. James Cameron plante über Jahrzehnte eine Verfilmung, bevor Andrew Stanton 2012 mit John Carter einen aufwändigen Disney-Film drehte, der allerdings kommerziell scheiterte.
Barsoom ist historisch wichtig, weil es zeigte, dass fremde Planeten als vollständige Welten mit eigener Geschichte, eigenen Kulturen und eigener Ökologie erzählt werden können. Bevor Burroughs Mars beschrieb, waren fremde Welten in der Literatur meist Kulissen. Nach Barsoom wurden sie zu Schauplätzen.
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