Bishop-Ring
Offener Ringhabitat im Weltraum mit einem Durchmesser von Tausenden Kilometern, gehalten durch die Zugfestigkeit von Kohlenstoffnanoröhren.
Der Bishop-Ring, vorgeschlagen vom Ingenieur Forrest Bishop in den 1990er Jahren, ist ein riesiges ringförmiges Habitat, das im Weltraum rotiert und auf seiner Innenseite bewohnbare Fläche bietet. Im Gegensatz zu einem O'Neill-Zylinder ist der Ring oben offen. Die Atmosphäre wird allein durch die Rotation und die Seitenwände an Ort und Stelle gehalten. Damit das funktioniert, muss der Ring aus extrem belastbarem Material bestehen, etwa Kohlenstoffnanoröhren mit ihrer theoretischen Zugfestigkeit von über 100 Gigapascal.
Ein typischer Bishop-Ring hätte einen Durchmesser von etwa 2.000 Kilometern und eine Breite von 500 Kilometern. Die bewohnbare Fläche wäre damit vergleichbar mit der Oberfläche eines ganzen Kontinents. Durch die Rotation entsteht an der Innenseite eine erdähnliche Schwerkraft. Die offene Oberseite erlaubt einen freien Blick ins All, was den Bishop-Ring von geschlossenen Habitaten wie dem O'Neill-Zylinder unterscheidet.
Konzeptionell steht der Bishop-Ring zwischen den relativ bescheidenen O'Neill-Zylindern (wenige Kilometer Durchmesser) und der Ringwelt aus Larry Nivens Roman (Durchmesser einer Erdumlaufbahn). Er zeigt, dass es eine plausible Zwischenstufe gibt: groß genug für eigene Ökosysteme und Wettermuster, aber nicht so absurd riesig, dass die Materialanforderungen jeden physikalischen Rahmen sprengen.
Der Bishop-Ring wird in der Halo-Spielereihe zitiert: Die titelgebenden Halo-Ringe sind im Grunde riesige Bishop-Ringe mit Waffenfunktion.
Das Schöne am Bishop-Ring ist sein offenes Dach. Wo der O'Neill-Zylinder seine Bewohner in eine geschlossene Röhre sperrt, lebt man hier unter freiem Sternenhimmel, gehalten nur von der Fliehkraft und ein paar hohen Seitenwänden. Diese Offenheit löst ein psychologisches Problem, das in der Diskussion um Weltraumhabitate oft untergeht. Menschen brauchen Weite und Horizont, und ein Ring, über dem das echte All steht, gibt ihnen genau das, ohne die Klaustrophobie einer Blechdose.
Möglich wird das alles nur durch ein Material, das wir noch nicht im großen Maßstab herstellen können. Kohlenstoffnanoröhren besitzen die nötige Zugfestigkeit theoretisch, in der Praxis bekommen wir bisher nur winzige Stücke davon hin. Der Bishop-Ring hängt damit am selben Faden wie der Weltraumlift, beide warten auf denselben Materialdurchbruch. Genau das macht ihn zu einer ehrlichen Vision, nah genug an der Physik, um glaubwürdig zu sein, und weit genug weg, um noch Traum zu bleiben.
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