Blackfish City
Sam J. Millers Roman entwirft eine schwimmende Stadt im Klimawandel und verbindet soziale Spaltung, queere Identität, Krankheit und Tierbindung zu moderner Cli-Fi.
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Sam J. Millers Blackfish City erschien 2018 und gehört zu jener jüngeren Science Fiction, die Klimakrise, Stadtentwicklung und soziale Ungleichheit nicht als Hintergrundrauschen behandelt. Schauplatz ist Qaanaaq, eine schwimmende Stadt in der Arktis, gebaut für eine Welt, in der Meeresspiegel, Migration, Konzernmacht und ökologische Verwüstung neue Lebensformen erzwingen. Die Stadt ist technisch faszinierend, aber politisch und sozial zerrissen. Reichtum, Krankheit, Ausbeutung und Wohnraumdruck gehören zu ihrem Alltag.
Die Handlung setzt ein, als eine geheimnisvolle Frau auf einem Orca in die Stadt kommt, begleitet von einem Eisbären. Dieses Bild wirkt beinahe mythisch, ist aber in eine sehr konkrete Zukunft eingebettet. Mehrere Figuren aus verschiedenen Schichten der Stadt werden miteinander verbunden: eine Kämpferin, ein politisch verstrickter Erbe, eine Künstlerin, Menschen am Rand der offiziellen Ordnung. Die sogenannte Breaks-Krankheit, eine neurologische und kommunikative Störung, spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie verbindet Körper, Erinnerung und gesellschaftliche Angst.
Miller erzählt die Stadt nicht als neutrale Kulisse. Qaanaaq ist selbst ein Organismus aus Kapital, Flucht, Infrastruktur, Gerüchten und Macht. Das Buch arbeitet mit wechselnden Perspektiven und mit Ausschnitten aus einer Art illegaler Stadtchronik. Dadurch entsteht ein Bild von Zukunft, das keine saubere Erklärung liefert, sondern viele Stimmen nebeneinanderstellt. Blackfish City ist in diesem Sinn auch ein Roman über Informationsräume: Wer erzählt die Stadt, wer besitzt ihre Geschichte, wer darf überhaupt sichtbar werden?
Im Genre ist Blackfish City ein starker Beitrag zur Climate Fiction. Der Roman zeigt Klimawandel nicht als einmalige Katastrophe, sondern als neue Normalität, in der Menschen weiter handeln, lieben, kämpfen und konkurrieren. Zugleich berührt er Biotechnologie, Tierbeziehungen, queere Identität und die Frage, wie Gemeinschaft unter extremer Ungleichheit entstehen kann. Die auffälligen Tierbilder geben dem Roman eine fast märchenhafte Oberfläche, doch darunter liegt eine harte urbane Zukunft. Blackfish City eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die Science Fiction nicht als Flucht aus der Gegenwart lesen wollen, sondern als Vergrößerung ihrer sozialen und ökologischen Bruchlinien.
Für ein Science-Fiction-Lexikon ist Blackfish City außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Cli-Fi den Katastrophenmoment hinter sich lässt. Der Roman beginnt nach vielen Zusammenbrüchen und fragt, wie Menschen in den Resten politischer und ökologischer Entscheidungen neue Stadtformen bauen. Dadurch passt er zu Leserpfaden über Klimakollaps, schwimmende Habitate, Biopunk und soziale Zukunftsentwürfe, die nicht nur Technik, sondern Verwundbarkeit erklären.
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Blackfish City. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/blackfish-city/ (abgerufen am 06.06.2026).
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