Blauverschiebung
Wenn sich eine Lichtquelle auf den Beobachter zubewegt, wird ihr Licht zu kürzeren, blaueren Wellenlängen gestaucht.
Blauverschiebung ist das Gegenstück zur Rotverschiebung und entsteht, wenn sich eine Lichtquelle auf den Beobachter zubewegt. Die Wellenlänge des Lichts wird dabei gestaucht, das Spektrum verschiebt sich in Richtung Blau. Der Effekt beruht auf demselben Doppler-Prinzip, das auch beim Schall wirkt, etwa wenn ein herannahender Krankenwagen höher klingt als ein sich entfernender.
Die Andromedagalaxie ist das bekannteste Beispiel am Himmel. Ihr Licht ist blauverschoben, weil sie sich mit rund 110 Kilometern pro Sekunde auf die Milchstraße zubewegt. In etwa viereinhalb Milliarden Jahren werden beide Galaxien kollidieren und zu einem einzigen großen Sternsystem verschmelzen, das manche Astronomen bereits scherzhaft Milkomeda nennen. Solche Annäherungsgeschwindigkeiten lassen sich über die Blauverschiebung direkt messen.
Neben dieser Bewegungs-Blauverschiebung gibt es eine gravitative Variante. Licht, das in ein starkes Gravitationsfeld hineinfällt, gewinnt an Energie und wird blauverschoben, ein Effekt, den das berühmte Pound-Rebka-Experiment 1959 an einem Hochhaus auf der Erde nachwies und damit Einsteins allgemeine Relativitätstheorie bestätigte.
In der Science-Fiction nutzen Autoren den Effekt vor allem bei Reisen nahe der Lichtgeschwindigkeit. Für die Besatzung erscheinen die Sterne voraus bläulich verschoben und nach vorn zusammengedrängt, während der Himmel hinter dem Schiff rötlich verblasst. Dieses verzerrte, regenbogenartige Bild des Sternenhimmels gehört zu den eindrucksvollsten realen physikalischen Effekten, die das Genre für relativistische Reisen ausmalen kann.
Neben der Bewegungs-Blauverschiebung gibt es auch eine sogenannte gravitative Blauverschiebung. Photonen, die in ein Gravitationsfeld hineinfallen, gewinnen an Energie. Das Pound-Rebka-Experiment von 1959 wies das erstmals nach, indem es Gammastrahlen zwischen dem Boden und dem Dach eines Harvardgebäudes verglich und eine messbare Frequenzverschiebung beobachtete. Dieser Effekt ist praktisch relevant: GPS-Satelliten müssen ihn berücksichtigen, weil ihre Uhren in schwächerem Gravitationsfeld schneller gehen und eine Korrektur brauchen, damit die Positionsangaben auf der Erde stimmen.
In der Astrophysik wird die Blauverschiebung systematisch genutzt, um Relativbewegungen zu messen. Sterne in der Nähe von Sagittarius A*, dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, zeigen ausgeprägte Blau- und Rotverschiebungen je nach Phase ihrer Umlaufbahn. Diese Messungen erlauben Präzisionsbestimmungen der Masse des Schwarzen Lochs und dienten 2020 als Grundlage für den Physik-Nobelpreis an Reinhard Genzel und Andrea Ghez.
Für Science-Fiction-Autoren ist die Blauverschiebung ein seltenes, aber wirkungsvolles Werkzeug. Wenn ein relativistisches Schiff auf einen Stern zurast, überlagern sich Doppler-Blauverschiebung und gravitative Effekte zu einem Bild, das kein Auge je direkt gesehen hat. Alastair Reynolds beschreibt in Revelation Space und Schimmern der Dunkelheit präzise, was Besatzungen auf subrelativistischen Schiffen sehen würden, und nutzt diese Physik als erzählerisches Mittel, um die Isolation und die kosmische Fremdartigkeit langer Reisen greifbar zu machen.
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