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Blindsight

Peter Watts' Roman (2006) schickt eine Crew aus neurologisch modifizierten Spezialisten und einem Vampir-Kommandanten zu einem außerirdischen Artefakt, das intelligent handelt, aber kein Bewusstsein besitzt.

Spoiler-Warnung: Dieser Eintrag enthält Handlungsdetails aus Blindsight von Peter Watts.

Im Februar 2082 verbrennen 65.536 außerirdische Sonden gleichzeitig in der Erdatmosphäre. Sie bilden ein perfektes Raster, das den gesamten Planeten abtastet, und senden ein gebündeltes Signal in Richtung der Oort-Wolke. Die Menschheit antwortet mit dem Raumschiff Theseus, das unter dem Kommando eines wiederbelebten Vampirs namens Jukka Sarasti steht. Die Besatzung ist bewusst aus Menschen zusammengestellt, die auf verschiedene Weisen vom Normalen abweichen: Siri Keeton, der Erzähler, hat als Kind eine radikale Hemisphärektomie erhalten und funktioniert seitdem ohne subjektives Erleben. Die Linguistin Susan James beherbergt vier eigenständige Persönlichkeiten. Der Biologe Isaac Szpindel ist so tief mit seinen Sensoren verschmolzen, dass die Grenze zwischen Mensch und Instrument verschwimmt.

Am Zielort finden sie ein gewaltiges Artefakt namens Rorschach im Orbit um einen Braunen Zwerg. Rorschach erzeugt starke Magnetfelder, die bei Menschen Halluzinationen auslösen, und seine Oberfläche verändert sich ständig. Im Inneren treffen sie auf die Scrambler: vielarmige, spinnenartige Wesen, die blitzschnell reagieren, komplexe Strategien verfolgen und sogar menschliche Sprache imitieren können. Doch die zentrale Erkenntnis des Romans ist, dass die Scrambler zwar intelligent handeln, aber kein Bewusstsein besitzen. Sie verarbeiten Information, lösen Probleme und reagieren auf Bedrohungen, ohne dabei irgendetwas zu erleben.

Der Titel des Romans bezieht sich auf das neurologische Phänomen Blindsight: Patienten mit bestimmten Hirnschäden können Objekte in ihrem Gesichtsfeld lokalisieren und ihnen ausweichen, obwohl sie subjektiv nichts sehen. Watts verwendet dieses Phänomen als Metapher für seine zentrale These: Bewusstsein ist kein Vorteil, sondern ein Nebenprodukt. Die Scrambler funktionieren besser als Menschen, gerade weil sie nicht bewusst sind. Bewusstsein verschwendet Rechenleistung auf ein internes Modell des Selbst, das für das Überleben unnötig ist.

Watts untermauert seine Fiktion mit einem umfangreichen wissenschaftlichen Anhang, der Studien zur Neurologie, Kognitionswissenschaft und Evolutionsbiologie zitiert. Das macht Blindsight zu einem der am gründlichsten recherchierten Hard-SF-Romane überhaupt. Der Roman wurde 2006 für den Hugo Award nominiert und ist unter einer Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar. Die Fortsetzung Echopraxia erschien 2014 und vertieft die Frage, ob eine Zivilisation ohne Bewusstsein der Menschheit grundsätzlich überlegen wäre.

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Blindsight. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/blindsight-roman/ (abgerufen am 05.06.2026).