Raumfahrttechnik

Breakthrough Listen

Das weltweit umfangreichste Programm zur Suche nach außerirdischen Funksignalen, finanziert von Juri Milner und betrieben an den leistungsstärksten Radioteleskopen der Erde.

Im Juli 2015 kündigte der russisch-israelische Investor Juri Milner auf einer Pressekonferenz mit Stephen Hawking ein 100-Millionen-Dollar-Programm an, das die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI) auf ein neues Niveau heben sollte. Breakthrough Listen wurde das umfassendste und bestfinanzierte SETI-Programm in der Geschichte der Radioastronomie.

Das Programm nutzt Beobachtungszeit an drei der leistungsstärksten Radioteleskope der Welt: dem 100-Meter-Green-Bank-Teleskop in West Virginia, dem 64-Meter-Parkes-Teleskop (Murriyang) in Australien und dem MeerKAT-Array in Südafrika. Zusammen decken diese Instrumente den Frequenzbereich von 1 bis 12 Gigahertz ab und durchsuchen die nächsten eine Million Sterne, die gesamte galaktische Ebene und die 100 nächsten Galaxien.

Die technische Herausforderung liegt weniger im Empfang als in der Datenanalyse. Breakthrough Listen erzeugt mehrere Petabyte Rohdaten pro Jahr, die auf schmalbandige Signale (potenzielle Funksender), breitbandige Pulse (potenzielle Laser) und andere Anomalien durchsucht werden müssen. Die Analysepipeline nutzt maschinelles Lernen, um die Milliarden von Störsignalen irdischen Ursprungs (Satelliten, Mobilfunk, Radaranlagen) auszufiltern.

2020 sorgte ein Signal für Aufregung: BLC1 (Breakthrough Listen Candidate 1), empfangen vom Parkes-Teleskop, schien aus Richtung von Proxima Centauri zu kommen und zeigte Eigenschaften, die schlecht zu irdischen Störquellen passten. Nach monatelanger Analyse stellte sich BLC1 als komplexe Interferenz terrestrischer Elektronik heraus, ein Intermodulationsprodukt mehrerer Oszillatoren. Der Fall zeigte sowohl die Empfindlichkeit des Systems als auch die Schwierigkeit, echte außerirdische Signale von irdischem Rauschen zu unterscheiden.

Breakthrough Listen ist Teil der Breakthrough Initiatives, die auch Breakthrough Starshot (Nano-Sonden nach Alpha Centauri) und Breakthrough Watch (direkte Exoplaneten-Beobachtung) umfassen. Alle Daten werden öffentlich zugänglich gemacht, und die Software ist Open Source. Das Programm ist bis mindestens 2025 finanziert, Milner hat eine Verlängerung signalisiert.