Astronomie

Eta Carinae

Eta Carinae ist ein extrem massereiches Doppelsternsystem in rund 7500 Lichtjahren Entfernung, umgeben vom markanten Homunkulus-Nebel. Es gilt als einer der heißesten Kandidaten für eine künftige Supernova oder gar Hypernova in unserer Galaxie.

Eta Carinae im Sternbild Kiel des Schiffs (Carina) ist eines der gewaltigsten Sternsysteme, das Astronomen aus der Nähe untersuchen können. Es liegt etwa 7500 Lichtjahre entfernt und besteht aus mindestens zwei Sternen. Der Hauptstern bringt rund 90 Sonnenmassen auf die Waage und strahlt etwa fünf Millionen Mal so hell wie die Sonne. Der Begleiter ist mit etwa 30 Sonnenmassen kleiner, aber immer noch ein Monstrum. Sterne dieser Größenordnung leben am absoluten Limit dessen, was die Physik zulässt: Ihre Strahlung ist so intensiv, dass sie das eigene Gas beinahe ins All blasen.

Genau das ist Eta Carinae in der Vergangenheit fast passiert. Zwischen 1838 und 1845 erlebte der Stern den sogenannten Großen Ausbruch und wurde kurzzeitig zu einem der hellsten Sterne am gesamten Nachthimmel, ohne dabei zu explodieren. In diesem Ereignis schleuderte das System eine Gasmenge von mindestens zehn, vielleicht sogar vierzig Sonnenmassen ins All. Aus diesem Material formte sich der Homunkulus-Nebel, eine bipolare Wolke mit zwei keulenförmigen Lappen, die wie eine kosmische Sanduhr aussieht. Der Name stammt von der entfernten Ähnlichkeit mit einer winzigen menschlichen Figur, einem Homunkulus.

Weil Eta Carinae so nah an der theoretischen Massengrenze für Sterne operiert, gehört das System zu den meistdiskutierten Supernova-Kandidaten der Milchstraße. Beide Sterne werden ihr Leben in spektakulären Explosionen beenden, und beim Hauptstern halten viele Astronomen sogar eine Hypernova für möglich, eine besonders energiereiche Variante, die mit der Entstehung eines Schwarzen Lochs und intensiven Gammablitzen einhergehen kann. Wann das geschieht, weiß niemand: Es könnte morgen sein oder erst in Hunderttausenden von Jahren. Aus astronomischer Sicht steht der Stern dabei am Rand des Abgrunds.

Diese Mischung aus Schönheit und Bedrohung macht Eta Carinae zu einem dankbaren Motiv. In der Science-Fiction tauchen massereiche, todgeweihte Riesensterne immer wieder als Schauplatz oder Bedrohung auf, etwa wenn eine Zivilisation rechtzeitig vor einem Gammablitz fliehen muss. Greg Bears und Stephen Baxters Hard-SF spielt gern mit der Idee sterbender Riesensterne und ihrer kosmischen Strahlung, und der Homunkulus-Nebel mit seiner unverkennbaren Sanduhrform liefert die perfekte visuelle Vorlage für bedrohliche Himmelsobjekte in Filmen und Spielen.

Für Forscher ist Eta Carinae vor allem ein Glücksfall, weil hier in Echtzeit beobachtet werden kann, wie ein Stern kurz vor seinem Ende taumelt. Die Daten helfen zu verstehen, wie die schwersten Sterne sterben und unter welchen Umständen aus ihrem Kollaps ein Schwarzes Loch hervorgeht. Der Stern verbindet damit zwei Themen, die in der SF untrennbar zusammengehören: gewaltige Energien und der Tod von Sonnen.