Konzept

Ewiges Leben

Das ewige Leben, also die biologische Unsterblichkeit, ist eines der ältesten Dauerthemen der Science-Fiction. Es verbindet uralte Menschheitsträume mit moderner Biotechnologie und Transhumanismus.

Der Wunsch, dem Tod zu entkommen, ist so alt wie die Menschheit, und das Gilgamesch-Epos verhandelte ihn schon vor über viertausend Jahren. Die Science-Fiction hat dieses Motiv aufgegriffen und mit den Mitteln der Wissenschaft neu durchdacht. Statt Götterspeise oder Zaubertrank stehen heute Gentechnik, Zellverjüngung, medizinische Reparatur und der Transfer des Bewusstseins in den Mittelpunkt. Das ewige Leben wird vom religiösen Versprechen zum technischen Projekt.

Biologisch unterscheidet man dabei zwei Dinge. Das eine ist die negligible senescence, also ein Zustand ohne messbares Altern, wie ihn manche Tiere tatsächlich zeigen. Bestimmte Quallen, die Hydra oder einige Schildkröten altern kaum im üblichen Sinn. Das andere ist die echte Unverwundbarkeit, das Überleben auch von Unfall und Gewalt. Selbst eine alterslose Biologie schützt nicht vor einem Sturz oder einem Auto. Die seriöse SF trennt diese Ebenen sauber, denn ein altersloser Körper ist noch lange nicht unsterblich.

Literarisch reicht die Tradition weit. Aldous Huxley beschrieb in Nach vielen Sommern die Schattenseiten verlängerten Lebens. Robert Heinlein machte mit Lazarus Long in Die Leben des Lazarus Long die Langlebigkeit zum Motor einer ganzen Familiensaga. In jüngerer Zeit hat die Transhumanismus-nahe SF das Thema radikalisiert. Richard Morgan trennt in Das Unsterblichkeitsprogramm Körper und Bewusstsein vollständig, der Geist wird auf einem Stack gespeichert und kann in neue Hüllen geladen werden. Damit verschiebt sich die Frage vom Körper auf die Identität: Ist die Kopie noch ich?

Genau hier liegt der erzählerische Reiz. Das ewige Leben ist selten reines Glück. Wer nicht stirbt, sammelt Erinnerungen, Verluste und Überdruss. Die Literatur fragt nach der Langeweile der Unendlichkeit, nach der sozialen Schieflage, wenn nur Reiche unsterblich werden, und nach dem Sinn eines Lebens, dem die Endlichkeit als Bezugsrahmen fehlt. Oft erweist sich die Sterblichkeit am Ende als das, was dem Leben überhaupt seine Dringlichkeit gibt.

Der reale Forschungsstand bleibt nüchtern. Die Altersforschung versteht zunehmend, welche Mechanismen das Altern antreiben, von der Verkürzung der Telomere über zelluläre Seneszenz bis zu Schäden an den Mitochondrien. Verlängerung der gesunden Lebensspanne ist ein ernsthaftes Ziel, echte Unsterblichkeit dagegen liegt weit jenseits des Machbaren und vielleicht jenseits des Wünschenswerten. Die SF nimmt diese Forschung als Sprungbrett und denkt sie zu Ende, meist mit der heilsamen Erkenntnis, dass ein Leben ohne Ende neue Probleme schafft, die mindestens so schwer wiegen wie der Tod.