Karen Joy Fowler
US-amerikanische Autorin (geboren 1950), Mitbegründerin des James Tiptree Jr. Award und Verfasserin von 'Sarah Canary', einem unkonventionellen Erstkontakt-Roman.
Karen Joy Fowler (geboren am 7. Februar 1950 in Bloomington, Indiana) ist eine amerikanische Autorin, deren Werk an der Grenze zwischen Science Fiction und literarischer Erzählkunst angesiedelt ist. Ihre Geschichten kreisen oft um das neunzehnte Jahrhundert, das Leben von Frauen und das Gefühl gesellschaftlicher Entfremdung. Sie gehört zu jenen Stimmen, die das Genre für Themen geöffnet haben, die lange als außerhalb seiner Reichweite galten.
1991 gründete Fowler gemeinsam mit der Autorin Pat Murphy den James Tiptree Jr. Award, einen Literaturpreis für Science Fiction und Fantasy, der Werke auszeichnet, die unser Verständnis von Geschlecht erweitern oder hinterfragen. Der Preis, benannt nach der Autorin Alice Sheldon, die unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree Jr. schrieb, wurde zu einer der wichtigsten Auszeichnungen für gesellschaftskritische und feministische SF. 2019 wurde er in Otherwise Award umbenannt. Fowlers Rolle als Mitbegründerin machte sie zu einer zentralen Gestalterin der Debatte über Geschlecht und Identität im Genre.
Ihr Debütroman 'Sarah Canary' erschien 1991 und wurde von der Kritik gefeiert. Das Buch spielt 1873 im pazifischen Nordwesten und folgt einer Gruppe von Außenseitern, die durch das Amerika des neunzehnten Jahrhunderts gestoßen werden: ein chinesischer Einwanderer, eine als geisteskrank geltende Frau, eine Frauenrechtlerin und Sarah selbst, eine rätselhafte Gestalt, die sich als Außerirdische deutet. Fowler erzählt einen Erstkontakt, der sich nie als solcher zu erkennen gibt, und stellt die Frage, wie eine Gesellschaft das Fremde überhaupt wahrnehmen kann, wenn es nicht in ihre Kategorien passt. Der Roman ist Science Fiction, die ihre eigene Natur konsequent verschleiert, und gilt als kühnes literarisches Experiment.
Fowlers größter kommerzieller Erfolg war der Roman 'We Are All Completely Beside Ourselves' aus dem Jahr 2013, der aus der Sicht einer jungen Frau erzählt, die mit einem Schimpansen als Geschwister aufwuchs. Das Buch gewann 2014 den PEN/Faulkner Award und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize. Auch wenn es sich nicht als klassische SF lesen lässt, verhandelt es Fragen nach Bewusstsein, Spezies und Verwandtschaft, die das Genre seit jeher beschäftigen.
Fowler beweist, dass Erstkontakt nicht zwingend von Raumschiffen und Invasionen handeln muss. Bei ihr ist das Fremde das Unverstandene, das Übersehene, das am Rand der Wahrnehmung Stehende. Diese leise, präzise und psychologisch tiefe Herangehensweise hat das Genre bereichert und gezeigt, dass die großen Fragen der Science Fiction sich auch ohne Spektakel stellen lassen.
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Karen Joy Fowler. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/karen-joy-fowler/ (abgerufen am 07.06.2026).
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