Charles Fort
US-amerikanischer Schriftsteller und Sammler unerklärlicher Phänomene (1874 bis 1932), dessen 'The Book of the Damned' den Begriff der Anomalistik prägte und das Adjektiv 'fortean' hervorbrachte.
Charles Hoy Fort (6. August 1874 bis 3. Mai 1932) war kein Science-Fiction-Autor im klassischen Sinn, und doch hat kaum jemand das Genre so nachhaltig mit Stoff versorgt wie er. Fort war ein amerikanischer Schriftsteller und Rechercheur, der sein Leben dem Sammeln dessen widmete, was die Wissenschaft nicht erklären konnte oder schlicht ignorierte. Jahrelang durchforstete er Bibliotheken und Zeitungsarchive nach Berichten über Regen aus Fröschen, mysteriöse Lichter am Himmel, spurlos verschwundene Menschen und sonderbare Funde, und trug daraus seine vier Bücher zusammen.
Sein einflussreichstes Werk ist 'The Book of the Damned' aus dem Jahr 1919. Der Titel bezieht sich auf die verdammten Daten, also jene Beobachtungen und Berichte, die von der etablierten Wissenschaft als unbequem oder unmöglich verworfen wurden. Fort war einer der ersten, der laut darüber nachdachte, ob unerklärliche Lichter am Himmel möglicherweise außerirdische Fahrzeuge sein könnten, und ihm wird die frühe Verwendung des Begriffs Teleportation zugeschrieben. Es folgten 'New Lands' (1923), 'Lo!' (1931) und 'Wild Talents' (1932), die alle dieselbe Methode verfolgten.
Fort war jedoch kein naiver Gläubiger. Sein berühmter Satz, er glaube nichts von dem, was er selbst geschrieben habe, zeigt seine eigentliche Haltung. Im Kern war er ein Satiriker, der den Allmachtsanspruch der Wissenschaft auf endgültiges Wissen aufs Korn nahm. Mit beißendem Humor und kalkulierter Übertreibung führte er vor, wie selbstsicher die Forschung Phänomene wegerklärte, die nicht in ihr Weltbild passten. Diese skeptische Skepsis, das gleichzeitige Misstrauen gegenüber dogmatischer Wissenschaft und gegenüber allzu bereitwilligem Glauben, ist sein eigentliches Vermächtnis.
Nach seinem Tod entstand eine Bewegung von Anhängern, die sich Forteaner nennen und sich der systematischen Untersuchung anomaler Phänomene widmen. Die nach ihm benannte Fortean Society und später das britische Magazin 'Fortean Times' hielten seinen Geist lebendig. Das Adjektiv fortean bezeichnet seither alles Seltsame, das sich konventioneller Erklärung entzieht.
Für die Science Fiction war Fort eine Fundgrube. Autoren wie Eric Frank Russell griffen seine Ideen direkt auf, und sein Einfluss reicht über UFO-Erzählungen bis zu modernen Mystery-Serien. Wer über das Fermi-Paradoxon nachdenkt, über die Frage also, warum wir keine Außerirdischen sehen, findet bei Fort die umgekehrte Perspektive: Vielleicht sehen wir sie ständig, deuten die Hinweise nur falsch oder verdrängen sie. Fort hat die Tür zu jener Grauzone aufgestoßen, in der Wissenschaft, Spekulation und Erzählkunst sich begegnen.
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Charles Fort. In: BuchKnall, das Science-Fiction-Lexikon. URL: https://www.buchknall.com/glossar/charles-fort/ (abgerufen am 07.06.2026).
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