Technologie

Kryonik

Die Konservierung von Menschen nach dem Tod in flüssigem Stickstoff, in der Hoffnung auf zukünftige Wiederbelebung.

Kryonik ist die Praxis, verstorbene Menschen (oder deren Köpfe) unmittelbar nach dem Tod in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius zu konservieren. Die Grundidee: Wenn die Medizin der Zukunft die Todesursache heilen und die Kryoschäden reparieren kann, wäre eine Wiederbelebung theoretisch möglich.

Das Verfahren beginnt sofort nach dem klinischen Tod. Der Körper wird heruntergekühlt und das Blut durch eine Kryoschutzmittel-Lösung ersetzt (Vitrifikation), die Eiskristallbildung und damit Zellschäden minimieren soll. Anschließend wird der Körper in einem Dewargefäß in flüssigem Stickstoff gelagert.

Die beiden größten Anbieter sind Alcor Life Extension Foundation (Scottsdale, Arizona, gegründet 1972) und das Cryonics Institute (Clinton Township, Michigan). Eine Ganzkörperkonservierung bei Alcor kostet etwa 200.000 Dollar, die reine Kopfkonservierung (Neuropreservation) rund 80.000 Dollar. Weltweit sind einige hundert Menschen kryokonserviert.

Die Wissenschaft steht der Kryonik skeptisch gegenüber: Nach dem Tod setzen Zerfallsprozesse ein, die mit heutiger Technologie nicht rückgängig zu machen sind. Die Vitrifikation verursacht trotz Kryoschutzmitteln strukturelle Schäden auf zellulärer Ebene.

Der Kryoschlaf ist in der Science-Fiction ein verbreitetes Motiv, etwa in Alien (1979), Interstellar (2014) oder 2001: A Space Odyssey (1968). Anders als in der Fiktion, wo gesunde Astronauten eingefroren und problemlos aufgetaut werden, betrifft reale Kryonik ausschließlich Verstorbene.

Gerade die Kryonik lebt von einer Wette auf die Zukunft: dass eine spätere Medizin heilen kann, was heute den Tod bedeutet, und dabei sogar die Frostschäden der Konservierung repariert. Die heutige Wissenschaft hält das für höchst zweifelhaft, weil mit dem Tod Zerfallsprozesse einsetzen, die sich nicht einfach zurückdrehen lassen. Anders als der Kälteschlaf gesunder Astronauten in der Science-Fiction, die unbeschadet wieder auftauen, betrifft die reale Kryonik ausschließlich bereits Verstorbene. Sie ist damit weniger eine ausgereifte Technik als ein Ausdruck der uralten Hoffnung, den Tod nicht als endgültig hinnehmen zu müssen.