Astronomie

Lokale Gruppe

Der Galaxienhaufen, zu dem unsere Milchstraße gehört: rund 80 Galaxien in einem Gebiet von etwa 10 Millionen Lichtjahren Durchmesser.

Die Lokale Gruppe ist die Ansammlung von Galaxien in der kosmischen Nachbarschaft der Milchstraße. Sie umfasst nach aktuellem Kenntnisstand etwa 80 bekannte Mitglieder, verteilt über ein Gebiet von fünf bis acht Millionen Lichtjahren Durchmesser. Computersimulationen legen nahe, dass die Gesamtzahl bei 300 bis 500 Galaxien liegen könnte, von denen viele als lichtschwache Zwerggalaxien noch unentdeckt sind.

Die zwei dominierenden Mitglieder sind die Milchstraße und die Andromedagalaxie (M31). Zusammen enthalten sie etwa 95 % der sichtbaren Masse der Lokalen Gruppe. Die drittgrößte Galaxie ist der Dreiecksnebel (M33). Alle übrigen Mitglieder sind Zwerggalaxien, darunter die Magellanschen Wolken (Begleiter der Milchstraße) und zahlreiche elliptische und irreguläre Zwerggalaxien.

Die Milchstraße und Andromeda bewegen sich aufeinander zu und werden in etwa 4,5 Milliarden Jahren kollidieren und verschmelzen. Diese Kollision, gelegentlich als Milkomeda bezeichnet, wird die Lokale Gruppe grundlegend umgestalten. Für die Erde hat das Ereignis keine unmittelbare Bedrohung, weil die Abstände zwischen den einzelnen Sternen so groß sind, dass direkte Zusammenstöße extrem selten wären.

Die Lokale Gruppe wiederum ist Teil des Virgo-Superhaufens, der seinerseits zum Laniakea-Superhaufen gehört. In der Science-Fiction dient die Lokale Gruppe als Schauplatz für Geschichten, die über die Milchstraße hinausgehen. In Stephen Baxters Manifold-Trilogie und in Alastair Reynolds' Werk werden intergalaktische Reisen innerhalb der Lokalen Gruppe thematisiert.

Die Frage nach der Vollständigkeit der Lokalen Gruppe ist noch offen. Das Vera-C.-Rubin-Observatorium und das James Webb Space Telescope haben den Nachweis schwacher Zwerggalaxien verbessert, und regelmäßig werden neue Mitglieder entdeckt. Besonders um die Milchstraße herum gibt es eine Population ultraschwacher Zwerggalaxien, die kaum Sterne enthalten und vor allem aus Dunkler Materie bestehen. Diese Halos ohne nennenswerte Sternbildung sind für die Kosmologie bedeutsam, weil sie die Struktur des Dunkle-Materie-Gerüsts direkt zeigen.

Für die Science Fiction ist die Lokale Gruppe interessant als naturgegebener Kokon: Klein genug, um in einer Geschichte mit intergalaktischen Reisen als Rahmen zu dienen, groß genug, um Millionen von Jahren an Zivilisationsentwicklung zu ermöglichen. Wenn Fermi-Paradoxon-Geschichten fragen, warum keine Zivilisation die Milchstraße kolonisiert hat, erweitern manche Autoren die Frage: Warum hat niemand die Lokale Gruppe kolonisiert? Die Antworten, die sie geben, reichen von technischen Hindernissen bis zu kosmologischen Absichten.

Verwandte Begriffe