Mondvertrag
Der gescheiterte Versuch, den Mond zum gemeinsamen Erbe der Menschheit zu erklären. Keine große Raumfahrtnation hat ihn je ratifiziert.
Der Mondvertrag (Moon Agreement, formell: Übereinkommen zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten auf dem Mond und anderen Himmelskörpern) wurde 1979 von der UN-Generalversammlung verabschiedet und trat 1984 in Kraft. Er sollte den Weltraumvertrag von 1967 erweitern und konkretisieren, vor allem in Bezug auf die Nutzung von Ressourcen auf dem Mond und anderen Himmelskörpern.
Der Kerngedanke: Der Mond und seine natürlichen Ressourcen sind das "gemeinsame Erbe der Menschheit" (Common Heritage of Mankind). Kein Staat und kein Unternehmen darf sich Ressourcen aneignen. Stattdessen soll ein internationales Regime geschaffen werden, das die Ausbeutung regelt und die Gewinne unter allen Staaten aufteilt.
Genau dieser Ansatz wurde dem Vertrag zum Verhängnis. Die USA sahen darin eine Einschränkung ihrer wirtschaftlichen Freiheit. Die Sowjetunion hatte kein Interesse an einem Regime, das ihre Raumfahrtdominanz beschneiden könnte. Die Folge: Keine einzige bedeutende Raumfahrtnation hat den Mondvertrag ratifiziert. Bis 2026 sind nur 18 Staaten Vertragsparteien, darunter keiner mit einem eigenständigen Raumfahrtprogramm.
Der Mondvertrag ist damit ein Lehrstück für internationales Recht: Ein Vertrag, der die Interessen der mächtigsten Akteure ignoriert, bleibt wirkungslos. Die Artemis Accords von 2020 sind der pragmatische Gegenentwurf: statt verbindlichem Völkerrecht ein flexibles Abkommen, das Ressourcenabbau im Weltraum explizit erlaubt. Die Frage, ob der Mond allen oder niemandem gehört, ist dadurch nicht beantwortet, sondern nur vertagt.
Die rechtliche Lücke, die der Mondvertrag offen gelassen hat, füllt die Realität nun auf andere Weise. Die USA verabschiedeten 2015 den Space Act, der amerikanischen Unternehmen erlaubt, Ressourcen im Weltraum zu besitzen und zu vermarkten, auch wenn sie den Boden nicht beanspruchen dürfen. Luxemburg zog 2017 mit einem ähnlichen Gesetz nach. Das sind nationale Alleingänge, die die internationale Debatte de facto entscheiden, ohne sie formal zu führen.
In der Science-Fiction ist der Kampf um Mondressourcen ein vertrautes Motiv. Ian McDonalds Luna-Reihe, Kim Stanley Robinsons Beschreibungen der frühen Marskolonien und Andy Weirs Artemis zeigen alle dasselbe Muster: Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert das Überleben. Der Mondvertrag hat diesen Konflikt nicht verhindert, er hat nur das Setting verschoben.
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